Filterblase(n)

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Wer für Informationen
am Wirtschaftsteil der FAZ
hängenbleibt,
lebt in einer Filterblase…

w.a.k.

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Was Floskeln wirklich sagen

 

floskelwolkeScreenshot „Floskelwolke“

Die „Floskelwolke“ haben Udo Stiehl und Sebastian Pertsch ins Leben gerufen. Ihr Ziel formulieren sie so:

„Wer fast täglich mit Nachrichten zu tun hat, dem sind die altbekannten Formulierungen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport geläufig. Sie tauchen immer wieder auf, obwohl sie abgedroschen sind oder journalistischen Maßstäben nicht genügen. Wir Redakteure wissen das. Unser Publikum bemerkt es nur selten. Und die PR weiß das auszunutzen. Wie sich so manche Floskel, Phrase oder Formulierung in den Medien hält oder sogar ausbreitet, machen Udo Stiehl  und Sebastian Pertsch  mit der Floskelwolke sichtbar. Wir greifen bei der Auswahl der Begriffe auf unsere Erfahrungen im Nachrichtengeschäft zurück. Anprangern wollen wir nicht. Wir möchten nur ein wenig nachdenklich machen. Angespornt von vielen positiven Reaktionen und intensiver Medienberichterstattung entwickeln wir das Projekt neben unseren Hauptberufen weiter. Die Floskelwolke wurde mit dem Günter-Wallraff-Preis für Journalismuskritik  ausgezeichnet und für den Grimme Online Award  nominiert.“

 

Alles über die „Floskelwolke“ erfahren sie hier:

https://floskelwolke.de/

Schreibt die Wahrheit!

An die Rufe von Lesern einer ehemaligen Zeitung in der noch existierenden DDR mit den Worten „Schreibt die Wahrheit! Schreibt die Wahrheit!“ erinnert Kress in einem Beitrag über die Zukunft des Journalismus.

Unter anderem weist er auf Regeln hin, die selbst-verständlich sein sollten:

 

Das sind die einfachen Regeln für einen Journalisten, der wahr informieren will:

1. Lüge nicht, also schreibe nicht das Gegenteil von dem, was Du als richtig erkannt hast.

2. Verschweige nichts, was Deine Mitbürger wissen müssen, um die Demokratie lebendig zu halten.

3. Misstraue allen, die die Wahrheit verkünden, und kontrolliere die, die wahr reden sollten.

4. Schreibe so klar, dass Du nicht missverstanden wirst.

5. Lasse Dich nie vor einen Karren spannen, ob Politik, Werbung, Wirtschaft oder Propaganda gleich welcher Art.

6. Folge dem Pressekodex, es sei denn, Du kannst eine andere Entscheidung begründen und vor Dir rechtfertigen.

Den ganzen Beitrag gibt es hier:

http://kress.de/news/detail/beitrag/134768-kressde-serie-journalismus-der-zukunft-schreibe-die-wahrheit-der-2-pfeiler.html

Großes Rad und kleine Brötchen

Da wollten zwei am großen Rad drehen. Teilhaben daran, was der Glamour in Politik, Wirtschaft, Medien etc. ihnen mit abgibt. Wie sie eingebunden sind ein Netzwerk von Amigos, die nicht nur geben, sondern auch nehmen. Jetzt backen sie kleine Brötchen. Kein Lehrstück.

Ruhr 2010: Positives Fragebogendesign

Es war einmal ein Land, in dem die Herrscher aus Politik und Wirtschaft sich Sorge machten über das Gerede in der Fremde nah und fern. So beschlossen sie, eine Kulturhauptstadt zu werden. Gesagt, getan. Museen wurden herausgeputzt, Veranstaltungen aus dem Boden gestampft oder in den See gesetzt, Künstler aus fernen Gegenden in die Region gezerrt und es war ein munteres Treiben, fast ein ganzes Jahr lang. Doch obwohl die Herren von sich und ihren Ideen total begeistert waren, kamen sie auf die Idee, auch ihre Untertanen an der Meinungsbildung teilnehmen zu lassen. Und sie ließen einen einen Fragebogen erstellen. Ob man mit der Bahn oder dem Auto angereist ist, ob man allein oder mit anderen bei der oder jener Veranstaltung war, all dies ließen die Herren und Damen aus Politik und Wirtschaft die Gäste ihres Festes in einen Bogen eintragen. Besonders wichtig aber war ihnen, wie denn die Gäste oder Einwohner ihres Landes zufrieden waren mit dem, was sie da alles angeboten haben. Ob sich das Land als Einheit dargestellt hat, wolllten sie wissen, ob es näher an Europa herangerückt sei, erkundeten sie. Ob die Kulturhauptstadt eine wichtige politische Idee sei erfragten sie und ob das Programm auch die Alltagskultur mit einbezogen hat. Und dies und das mehr wollten sie auch noch von ihren Bewohnern und Gästen aus aller Herren Länder wissen. Doch damit das Bild dann auch schön in das passte, was sich die Herren aus Politik und Wirtschaft so gedacht haben, wandten sie eine einen tricky Bewertungscode an. „Ich stimme zu“ konnte man sagen, was sie ja wohl auch als Zeichen der Dankbarkeit erwünschten. „Keine Beurteilung möglich“ war die andere Bewertungsformel, die den Ausfüllenden des Fragebogens in die unangenehme Situation brachte, zugeben zu sollen, möglicherweise etwas nicht ganz richtig verstanden zu haben. Aber damit es dann auch schön positiv bleibt, gab es eine weitere Kategorie erst gar nicht. „Ich stimme nicht zu“ fehlte schlicht und einfach. Schließlich wollten sich die Herren aus Politik und Wirtschaft ihre gute Laune nicht vermiesen lassen. Und wenn sie nicht gestorben sind, feiern sie noch heute.

Kreativ(-) und/oder Wirtschaft

Die Auseinandersetzung um Geld und Geist, um Macht und Denken ist wohl so alt wie die Menschheit. Wer beispielsweise die Briefwechsel von Heinrich Heine mit seinem Verleger liest oder die von Thomas Bernhard mit seinem, bekommt eine recht konkrete Ahnung davon. Seit geraumer Zeit geht aber ein Gespenst in Deutschland um: „Kreativwirtschaft“.

Für meine Sicht der Dinge ist das ein Widerspruch in sich: Kreativ oder Wirtschaft. Da erinnere ich doch lieber die Postkarte von Klaus Staeck, bei der vor Spitzwegs „Armen Poeten“ die Schrift zu lesen ist: Nur die Armut gebiert Großes.