Die Zeit für Seelenheiterkeit verwenden

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Erinnere dich, seit wie lange du die Ausführung verschiebst und wie o dir die Götter günstige Gelegenheit gegeben haben, die du unbenutzt gelassen. Du solltest es doch einmal empfinden, von welcher Welt du ein Teil bist und von welchem Herrn der Welt dein Dasein seinen Ursprung hat, daß die Zeit für dich schon abgegrenzt ist; und wenn du sie nicht auf die Seelenheiterkeit verwendest, so schwindet sie dahin, und du schwindest selbst dahin, und sie kehrt nie zurück.

Marc Aurel (121 – 180), Selbstbetrachtungen, 2. Buch, Nr. 4

Wahrhaft lautes Denken

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Wenn du etwas wissen willst und es durch Meditation nicht finden kannst, so rate ich dir, mein lieber, sinnreicher Freund, mit dem nächsten Bekannten, der dir aufstößt, darüber zu sprechen. Es braucht nicht eben ein scharfdenkender Kopf zu sein, auch meine ich es nicht so, als ob du ihn darum befragen solltest: nein! Vielmehr sollst du es ihm selber allererst erzählen.

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Ein solches Reden ist wahrhaft lautes Denken. Die Reihen der Vorstellungen und ihrer Bezeichnungen gehen nebeneinander fort, und die Gemütsakte, für eins und das andere, kongruieren. Die Sprache ist alsdann keine Fessel, etwa wie ein Hemmschuh an dem Rade des Geistes, sondern wie ein zweites mit ihm parallel fortlaufendes, Rad an seiner Achse.

Heinrich von Kleist (1777 – 1811) in: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden (1805)

Der heraklitische Fluss

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Daß in denselben Fluß du kannst nicht zweimal steigen,
Weil jeden Augenblick ihm andre Flut ist eigen,

Und daß du selber auch, dir selber nicht getreuer,
Bist jeden Augenblick ein anderer und neuer;

Der Weise, der dies sprach; du meinest wohl, daß schwach
Er war und wandelbar, beweglich wie der Bach?

Vielmehr unwandelbar war er, und blieb dabei,
Beharrlich, steif und stet, daß alles unstet sei.

Selbst unbeweglich, ließ er alles sich bewegen,
Und dachte nicht daran sich selbst zu widerlegen.

Friedrich Rückert (1788 – 1866) in: Die Weisheit des Brahmanen

Unterschied

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Das Leben ist nicht so,
wie es sein sollte.
Es ist so, wie es ist.
Wie man damit fertig wird,
macht den Unterschied aus.

Virginia Satir (1916- 1988)

Segen oder Fluch

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Die Allermeisten wissen nicht — und manche wollen es nicht wissen — dass Worte und Gedanken für die Wirkung in das Innere des Menschen fast gleichen Wertes sind wie die vollbrachte Tat, und dass sie stets durch all ihr Denken, Reden oder Tun nicht nur ihr eigenes Inneres in guter oder übler Weise formen, sondern auch der Innenwelt der anderen entweder zum Segen werden oder zum Fluch…

BÔ YIN RÂ / Josef Anton Schneiderfranken (1876 – 1943)