Die Zeit für Seelenheiterkeit verwenden

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Erinnere dich, seit wie lange du die Ausführung verschiebst und wie o dir die Götter günstige Gelegenheit gegeben haben, die du unbenutzt gelassen. Du solltest es doch einmal empfinden, von welcher Welt du ein Teil bist und von welchem Herrn der Welt dein Dasein seinen Ursprung hat, daß die Zeit für dich schon abgegrenzt ist; und wenn du sie nicht auf die Seelenheiterkeit verwendest, so schwindet sie dahin, und du schwindest selbst dahin, und sie kehrt nie zurück.

Marc Aurel (121 – 180), Selbstbetrachtungen, 2. Buch, Nr. 4

Miteinander in unentrinnbarer Verstrickung

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Höllen sind es, in die wir geführt werden, wenn wir den Entgleisungen, den Verrenkungen und Erkrankungen des Gemeinschaftsgefühles nachgehen, -mögen die Höllenräume auch wohletablierte Wohnstuben sein und die darin hausenden Teufel die Züge unserer lieben Nächsten, wohl gar unseres werten Ich tragen.

Die Menschheit, in der wir leben, ist nun einmal keine Lämmerherde, sondern ein Atomgewirr von Individuen, deren jedes voller Kräfte und Begierden steckt. Wer Gemeinschaftsgeist erzeugen will, muss vor allem erst einmal erfassen, in welcher Verstrickung wir Menschen insgesamt miteinander leben, in welcher unentrinnbaren Verstrickung.

Schulze-Maizier, Friedrich ( 1888 – 1971 / hier 1926) in: Individualpsychologie und Religion. In: Wexberg E. (eds) Handbuch der Individualpsychologie. Springer, Berlin, Heidelberg. https://doi.org/10.1007/978-3-642-50692-5_25

Mittträger des Weltgedankens

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Zu erkennen,
in welchem Masse die Welt
dem Menschen jene Rolle zugedacht hat,
an der er so schwer leidet
und die ihn so überaus selig macht:
dass er immer stärker
zum Mitträger des Weltgedankens wird,
– dieses zu erkennen sollte
nur aufrechte Demut zeitigen.

Jean Gebser (1905 – 1973)