Gutes Glück

„Stein des guten Glücks“ in Weimar / Foto: © wak

An den “Stein des guten Glücks” erinnere ich mich gerne. Er steht neben Goethes Gartenhaus im Weimarer Ilmpark, wo Johann Wolfgang von Goethe ihn im April 1777 hat errichten lassen.

Seine Symbolik finde ich faszinierend:

  • Der unten stehende Würfel soll das Statische, das Gefestigte, das Unveränderliche, das Ruhende darstellen.
  • Die Kugel darüber soll für das Dynamische stehen, das Bewegliche, das Wandelbare, das Schicksalhafte.

Der “Stein des guten Glücks” gilt übrigens als eines der ersten nichtfigürlichen Denkmäler in Deutschland.

 

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Stein des guten Glücks

Am „Tag des Glücks“ passt es wohl, an jenen “Stein des guten Glücks” zu erinnern, der neben Goethes Gartenhaus im Weimarer Ilmpark steht, wo Johann Wolfgang von Goethe ihn im April 1777 hat errichten lassen:

steindesgutengluecks

Der unten stehende Würfel soll das Statische, das Gefestigte, das Unveränderliche, das Ruhende darstellen.
Die Kugel darüber soll für das Dynamische stehen, das Bewegliche, das Wandelbare, das Schicksalhafte.

Der “Stein des guten Glücks” gilt übrigens als eines der ersten nichtfigürlichen Denkmäler inDeutschland.

Und wenn es mal nicht so doll gelaufen sein sollte heute: der nächste „Internationale Tag des Glücks“ ist Freitag, 20. März 2015 😉

 

Buchenwald: Weltunkulturerbe

Auf die Liste der Orte des Weltkulturerbes soll das Konzentrations- und Vernichtungslager Buchenwald auf dem Ettersberg bei Weimar. Den Glanz der Goethe- und Schillerstadt, ergänzt durch Bauhauserbe und Kulturstiftung soll der Wind hinüberwehen auf jene Stätte nationalsozialistischen Verbrechens, die beispielsweise von Eugen Kogon und Jorge Semprun beschrieben wurde. Nein, es war keine Kultur, die dort stattfand. Deshalb gehört eine solche Einrichtung auch nicht auf eine solche Liste.

„Was für ein schöner Sonntag“

„Was für ein schöner Sonntag“. Als Joachim Gauck gestern nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten diesen Satz an den Anfang seiner Rede stellte, bin ich zusammengezuckt. Es hat seine Gründe.

„Was für ein schöner Sonntag“. Unter diesem Titel hat Jorge Semprun seine Erfahrungen im KZ Buchenwald nahe Weimar literarisch verarbeitet. Ein näherer Blick lohnt:

„Winter 1944. Ein Sonntag im Konzentrationslager Buchenwald, wenige Kilometer von Weimar entfernt. Der Häftling No. 44904 (S) alias Gérard alias Jorge Semprun steht bewundernd vor einer riesigen alleinstehenden Buche und verliert sich für Augenblicke in Träumen und literarischen Reminiszenzen: Hier war Goethe mit Eckermann spazierengegangen, hier hatte er »Wanderers Nachtlied« verfaßt. Aber ein SS-Unteroffizier zerrt ihn unvermittelt wieder in die Wirklichkeit zurück, in sein Leben als KZ-Häftling. Minuziös beschreibt Semprun den Tagesablauf, die geheime kommunistische Lagerorganisation, die Spannungen zwischen den einzelnen Nationalitäten, die Konflikte mit der SS, die den Arbeitseinsatz organisiert. Jeder Häftling kennt die wichtigsten deutschen Worte: Scheiße, Arbeit, Brot. Semprun, der junge Mann aus dem Madrider Großbürgertum, der eine deutsche Gouvernante hatte, gehört zu den wenigen, die fließend deutsch sprechen, er ist, auch sprachlich gesehen, ein Privilegierter, kein Prolet, sondern ein Intellektueller aus reichem Haus, seine »Genossen« lassen ihn das fühlen. Der Erfahrungsbericht eines KZ-Häftlings weitet sich aus zu einem autobiographischen Gesamtporträt, in seiner Erinnerung werden die verschiedensten Lebensabschnitte, Begebenheiten und Begegnungen wieder lebendig: die Emigration, das Studium an der Sorbonne, sein Engagement als Widerstandkämpfer, die Verhaftung und Deportation, die heimlichen Reisen nach Genf und Prag, Ostberlin und in die Sowjetunion, Anfang der sechziger Jahre, die Ferien auf der Krim im Kreise wichtiger Funktionäre, die Diskussionen mit kritischen Kommunisten wie Adam Schaff, die Auseinandersetzungen mit Carillo, dem heutigen Generalsekretär der spanischen KP. Später die Schauprozesse in Prag, wo auch Mithäftlinge aus dem KZ verurteilt werden. Semprun, bis 1964 Mitglied des Politbüros, analysiert die Erniedrigung überzeugter Kommunisten zu bloßen Befehlsempfängern, denen selbständiges Denken untersagt wird. …

Was für ein schöner Sonntag ist ein zeitgeschichtliches Dokument, eine poetische Autobiographie und gleichzeitig die sehr persönliche, leidenschaftliche, oft sehr ironische und bittere Auseinandersetzung des »Renegaten« Semprun mit dem Kommunismus. Er hat, eigenen Worten zufolge, zweimal überlebt: zum einen das Nazi-Konzentrationslager, zum anderen den ideologischen Terror des Stalinismus“

http://www.suhrkamp.de/buecher/was_fuer_ein_schoener_sonntag_-jorge_semprun_4243.html

 

Heinrich Böll in Weimar

Das Plakat machte mich aufmerksam: Heinrich Böll-Tage in Weimar. Der Kölner im Osten der Republik. Der – nach eigenen Worten – Linkskatholische Kirchgänger – in einer ganz anders sozialisierten Region.

http://www.boell.de/calendar/VA-viewevt-de.aspx?evtid=10796

Veranstalter ist die grüne „Heinrich-Böll-Stiftung“, Kooperationspartner sind Stadt Weimar, KulturBahnof Weimar, Stadtbücherei Weimar, Literarische Gesellschaft Thüringen e.V., Lese-Zeichen e.V., Kino mon ami, DAS Jugendtheater e.V. im stellwerk, ACC Galerie.

Sieht man sich das Programm genauer an, wird auf Irland abgehoben, auf die Freundschaft mit Lew Kopelew, auf öffentlichen Ruhm und virtuellen Pranger, die Frage gestellt, was von seinem Werk geblieben ist.

Ich selbst erinnerte allerdings auch den anderen Heinrich Böll, der sich an der römisch-katholischen Kirche gerieben hat und mehr:

https://wernerkrebber.wordpress.com/2009/03/07/der-brief-von-heinrich-boll/

Zensur wäre da wahrscheinlich ein treffendes Wort gewesen. Aber da gleichen sich die Erfahrungen von „hüben“ und „drüben“ ja dann vielleicht wieder.

Weimar GmbH

Als ich vorhin auf die Seite von Weimar ging, war ich dann doch überrascht:

Nun, dass Kommunen GmbHs gründen und als stadteigene Firmen betreiben – das ist so. Aber dass sich gleich eine ganze Stadt als GmbH darstellt? Und dann noch Weimar, jenes Thüringer Zentrum von Kultur? Aber vielleicht ist es ja Gultur mit beschränkter Haftung? Oder Gommerz…. ? Oder Goethe…?

P.S. Es heißt übrigens nicht: Gelsenkirchen mit beschränkter Hoffnung. Aber Gelsenkirchen ist ja auch eine Stadt: http://www.gelsenkirchen.de/

Buchenwald im Buchenland?

Im Zusammenhang damit, dass weitere Standorte zum „Weltkulturerbe“ der UNESCO benannt werden sollen, ist auch Deutschland im Blick.

„Deutschland ist ein Buchenland. Wenn der Mensch nicht in die Natur eingegriffen hätte, würde Deutschland flächendeckend von Buchenwäldern bewachsen sein,“ sagt Heike Britz, die fürs Bundesumweltministerium nach Paris gereist ist. Für sie wäre es ein Riesenerfolg, wenn der Nationalpark Hainich in Thüringen, aber auch Wälder in Brandenburg, Hessen und Mecklenburg-Vorpommern künftig zum UNESCO-Welterbe gehören. Kulturhistorisch betrachtet, erklärt sie, spielt die Buche nämlich eine viel größere Rolle als die deutsche Eiche: „Wenn Sie das Wort ‚Buch‘ hören, ‚Buchstabe‘ – das hat eine ganz interessante kulturelle Verquickung. Eigentlich sind wir ein Buchenland – und nicht ein Eichenland.“

So nachzulesen hier: http://www.tagesschau.de/ausland/unesco132.html

Von kultureller Verquickung kann allerdings bei „Buchenwald“, jenem grauen-vollen Konzentrationslager, sicher nicht mehr die Rede sein. So weit ist er vom Hainich nicht entfernt. Vielleicht sollte Frau Britz doch noch mal genauer hinsehen. Oder einfach mal Jorge Sempruns Buch „Die große Reise“ lesen.

„Die Zeit der Stille“ – Semprun über Buchenwald

In dem Film „Die Zeit der Stille“ wird die Geschichte eines Überlebenden des KZs Buchenwald erzählt, der als Spanienkämpfer von den Nazis inhaftiert wurde. Die Handlung setzt wenige Tage nach der Befreiung des KZs Buchenwald im April 1945 in Weimar ein und endet 50 Jahre später, als der überlebende Häftling, jetzt ein erfolgreicher Schriftsteller, das KZ Buchenwald zum ersten Mal nach seiner Befreiung wieder besucht. Manuel, den die Frage seit seiner Befreiung gequält hat, warum ausgerechnet er überleben durfte, erfährt welchem Zufall er sein Überleben verdankt.

In den dazwischen liegenden fünf Jahrzehnten versucht Manuel in der normalen Welt wieder Fuß zu fassen. Auf seiner Suche nach dem „wie Weiterleben“ nach dem Vernichtungslager, in einer Welt, die im Nachkriegs Europa an die Schrecken der Todeslager nicht mehr erinnert werden will, sucht er Halt in der Liebe, doch zu einer tiefen Beziehung ist der dem Tode Entkommene, noch nicht in der Lage. Zwischen Vergessen und Erinnern steht sein Drang schreiben zu wollen. Ein Drang aber, der die Erinnerung an die Vergangenheit immer wieder heraufbeschwört und ihm den Tod gefährliche nahe bringt. Manuel entscheidet sich für das Leben und versucht die Vergangenheit in die Tiefen seines Unterbewusstseins zu verbannen. Doch um weiterleben zu können, muss er sich erinnern, muss mit den Bildern seiner Vergangenheit leben. Er muss davon berichten, muss darüber schreiben.
In dem Film „Die Zeit der Stille“ wird dem Zuschauer durch das stark autobiografisch geprägte authentische Zeugnis Jorge Semprúns, eines Überlebenden der Vernichtungslager, die psychologisch spannende und diffizile Reise eines dem Tode Entkommenden zurück ins Leben bewusst.

So, 08.05.11 | 23:35 Uh, MDR

http://programm.daserste.de/pages/programm/detail.aspx?id=30C8FA62CEBE516F7AF71A514F1F59B1

Eindrucksvoll beispielsweise die Bücher von Jorge Semprun:

„Die große Reise“,

„Der Tote mit meinem Namen“,

„Schreiben oder Leben“

Siehe auch:

Keine Vögel über Buchenwald

https://wernerkrebber.wordpress.com/2010/10/09/keine-vogel-uber-buchenwald/

Keine Vögel über Buchenwald

Ich erinnere genau. Ich stehe in Buchenwald, unterhalb der Blutstraße, unterhalb des Mahnmals, dort, wo die tiefen Gräbergruben sind. Mein Blick wird nach oben gerichtet, weil ich eine Bewegung wahrnehme. Über Buchenwald fliegen Wildgänse. Wildgänse über Buchenwald – welch ein Anachronismus. Ich versetze mich zurück in jene Zeit, als das Konzentrationslager noch Teil der NS-Diktatur war und stelle mir vor, dass Gefangene hier stehen, nach oben sehen und eine Gruppe ziehende Wildgänse sehen. Doch so war es nicht, konnte es nicht gewesen sein. Das habe ich gestern abend in Jorge Sempruns „Schreiben oder Leben“ wiederentdeckt. Über den Ettersberg oberhalb von Weimar flogen keine Vögel mehr. Der Gestank des Rauchs aus dem Krematorium hatte sie vertrieben. „Das Krematorium arbeitet seit gestern nicht mehr, sage ich zu ihnen. Nie mehr Rauch über dem Land. Die Vögel werden vielleicht zurückkommen“, schreibt Semprun, der damals Gefangener in Buchenwald war. Heute sind die Vögel zurück.