Individuum und Gemeinschaft

Josef Albers: Hommage to the Square 1969 / Foto:(c) wak

Ich glaube, die Kunst steht in Parallele zum Leben. Farbe verhält sich in meinen Augen wie ein Mensch – auf zwei unterschiedliche Weisen: einmal als Selbstverwirklichung und dann als Verwirklichung der Beziehung zu anderen… Mit anderen Worten, man muss es verstehen, ein Individuum zu sein und zugleich ein Mitglied der Gemeinschaft.

Josef Albers (1888 – 1976)

https://quadrat.bottrop.de/rubrik2/index.php

Ich folge der Politik der Göttlichkeit

Foto: (c) wak

Ich verfolge die Politik nicht,
weil die Mafia und die Kriminellen
die Politik gekapert haben.
Ich will daran einfach keine Energie verschwenden,
um etwas zu verstehen.
Meine Politik ist die Politik
von Minnesängern, Troubadouren und Sufis.
Ich folge der Politik der Göttlichkeit.
Meister Eckhart und Jakob Böhme
sind die großartigsten Politiker, die ich kenne.

Jonas Mekas (1922 – 2019) in einem Interview 2018 https://www.monopol-magazin.de/film-wird-niemals-verschwinden

Gefunden habe ich dieses Zitat aus dem BUCH DER FREUNDE LVII hier: https://www.nootheater.de/menu.html

Heinz Butz: Eremit am leeren Tisch

Heinz Butz mit den Kernpunkten seiner Lehre als Kunstprofessor: Nachahmung, Wahrnehmung, Verstehen, Anwendung, Können, Selbstbildung / Screenshot aus dem Video https://www.tascafilmsmunich.de/heinz-butz/

In den Hinweisen zu Person und Werk heißt es auf der Seite von tascafilms:

„1925 geboren zählt Heinz Butz zur Generation deutscher Künstler, die unmittelbar nach der Zeit des kunstfeindlichen Nationalsozialismus und belastet von traumatischsten Kriegserfahrungen einen künstlerischen Neubeginn suchen. Aus der Kriegsgefangenschaft schwer verwundet heimgekehrt wendet er sich bei der Naturforschenden Gesellschaft Augsburg zunächst einem präzisen Pflanzenstudium zu. Die Botanik führt ihn zu einem zeichnerischen Verfahren, das er zeitlebens als „Erkenntnisprozess“ betreibt. Hunderte von eng bezeichneten Skizzenbüchern geben Zeugnis einer täglichen Auseinandersetzung….“

Auf so eindrucksvolle wie sympathische Art hat Heinz Butz – das habe ich aus diesem Film mitgenommen – so etwas wie einen Anfängergeist des Zen vermittelt, ohne sich deshalb als Guru oder Malerfürst zu gerieren.

„Was wir sehen, ist visuelle Kammermusik. Man täusche sich nicht: Diese diskrete Haltung verfügt über ihr eigenes Selbstbewusstsein, und ihre Klarheit unterscheidet sich von vielem, was sie in der Öffentlichkeit übertönt“.

Gottfried Boehm, Basel

Eremit am leeren Tisch
In der Bildwerkstatt des Zeichners
und Malers Heinz Butz

Buch, Regie, Kamera, Schnitt,
Bernt Engelmann | Gisela Wunderlich

90 Min., HD – Digital, Farbe, s/w, Dolby 2.0

Sprecher: Andreas Neumann
Audiobearbeitung: Jörg Scheuermann

Musik: Ardhi Engel, Multiinstrumente, Anouar Brahem, Oud, Amon Düül, u.a.

Unter Mitwirkung von: Prof. Dr. Gottfried Boehm, Basel, Franz Hitzler, München, Fred Jahn, München, u.v.a.

Realisiert mit der freundlichen Unterstützung durch die Erwin und Gisela von Steiner-Stiftung, München und durch Monica Giedion-Risch, Zürich.

Mehr zu dem Video hier: https://www.tascafilmsmunich.de/heinz-butz/

Uns zurück zur Quelle bringen

Foto: (c) wak

Die „Spirale der Arbeit, die wieder verbindet“ beginnt mit Dankbarkeit, denn sie bringt den hektischen Verstand zur Ruhe. Sie bringt uns zurück zur Quelle, indem sie unser Einfühlungsvermögen und unser Vertrauen stärkt. Sie hilft uns, vollständiger präsent zu sein und öffnet den mentalen Raum, um den Schmerz zu verstehen, den wir für unsere Welt mittragen.

Joanna Macy (*1929)

Meinungsverschiedenheiten lösen

Dschuang Dsi / wikimedia ~ gemeinfrei

Angenommen, ich disputierte mit dir; du besiegst mich, und ich besiege dich nicht. Hast du nun wirklich recht? Hab‘ ich nun wirklich unrecht? Oder aber ich besiege dich, und du besiegst mich nicht. Habe ich nun wirklich recht und du wirklich unrecht? Hat einer von uns recht und einer unrecht, oder haben wir beide recht oder beide unrecht? Ich und du, wir können das nicht wissen. Wenn die Menschen aber in einer solchen Unklarheit sind, wen sollen sie rufen, um zu entscheiden? Sollen wir einen holen, der mit dir übereinstimmt, um zu entscheiden? Da er doch mit dir übereinstimmt, wie kann er entscheiden? Oder sollen wir einen holen, der mit mir übereinstimmt? Da er doch mit mir übereinstimmt, wie kann er entscheiden? Sollen wir einen holen, der von uns Beiden abweicht, um zu entscheiden? Da er doch von uns beiden abweicht, wie kann er entscheiden? Oder sollen wir einen holen, der mit uns beiden übereinstimmt, um zu entscheiden? Da er doch mit uns beiden übereinstimmt, wie kann er entscheiden?

So können also ich und du und die andern einander nicht verstehen, und da sollten wir uns von etwas, das außer uns ist, abhängig machen? Vergiß die Zeit! Vergiß die Meinungen! Erhebe dich ins Grenzenlose! Und wohne im Grenzenlosen!

Dschuang Dsï (um 365 – 290 v.u.Z.): Das wahre Buch vom südlichen Blütenland. Düsseldorf/Köln 1972, S. 50-51

Im Stalle von Bethlehem ist Platz für alle

Fotographik (c) wak

Dieses Geheimnis duldet keine Kompromisse! Es verträgt keine Retusche! Ich kann es nur aus seiner letzten Transzendenz verstehen und verkünden! Aber aus seiner Fülle kann ich an alle sprechen! Funkspruch an alle Welt! Im Stalle von Bethlehem ist Platz für alle. Deren Auge sucht! Deren Herz hämmert! Deren Geist aufklingt! Die „guten Willens“ sind! Denen der Egoismus, die Brutalität, die Gemeinheit nicht Letztes ist. Bei Dostojewski bricht die Wirtshausszene in die Einladung des  Erlösers aus: „Kommet alle zu mir“! Platz für alle! An der Krippe des „Kyrios“! So sollen die Geistigen der Erde, wohin sie an Konfession, wohin sie an Partei, wohin sie an Lebensstil sich stellen mögen, in die „Arbeitsgemeinschaft“ des Nazareners treten! Sie sollen hier vor Anker gehen! Über diesen Leuchtturm ragt kein anderer lichtgewaltig! Kein Strom riß je in die Geschichte tieferes Bett! Keine Symphonie ließ je, wie diese, die Sphären erbeben! Wie immer die Menschen, die heutigen, die zukünftigen, die Offenbarung zum Problem gestaltend, vor Weihnachten stehen mögen, sie sollen ganz in die Nähe, ganz in den Radius, ganz in die Dynamik des Tages treten!

Carl Sonnenschein (1876 – 1929) in „Notizen“, Band 8, S. 73 ff. vom 25. Dezember 1927

Zitiert habe ich diese Passage in meinem Buch „Den Menschen Recht verschaffen. Carl Sonnenschein – Person und Werk“. EchterVerlag, Würzburg 1996, S. 110

Mit diesen Gedanken wünsche ich allen Leserinnen und Lesern meines Blogs gute Weihnachtstage.

Werner A. Krebber

Sich seines transcendentalen Selbst bemächtigen

Foto: (c) wak

Die höchste Aufgabe der Bildung ist, sich seines transcendentalen Selbst zu bemächtigen, das Ich seines Ich’s zugleich zu seyn. Um so weniger befremdlich ist der Mangel an vollständigem Sinn und Verstand für Andre. Ohne vollendetes Selbstverständniß wird man nie andere wahrhaft verstehn lernen.

Novalis / Friedrich von Hardenberg (1772–1802)