Fünf Gewissheiten

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1. Es ist der natürliche Verlauf, dass ich alt werde.
Es gibt keinen Weg, dem Altern zu entgehen.

2. Es ist der natürliche Verlauf, dass ich Krankheiten bekomme werde.
Es gibt keinen Weg, dem Krankwerden zu entgehen.

3. Es ist der natürliche Verlauf, dass ich sterben werde.
Es gibt keinen Weg, dem Tod zu entgehen.

4. Es ist der natürliche Verlauf, dass alles woran ich hänge,
und alle, die mir lieb sind, sich verändern.
Es gibt keinen Weg, dem Getrenntwerden von ihnen zu entgehen.

5. Meine Taten sind mein einzig wirkliches Erbe.
Den Folgen meiner Taten kann ich nicht entgehen.
Meine Taten sind der Boden, auf dem ich stehe.

Thich Nhat Hanh (*1926) in: Der Klang des Bodhibaums

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Das Leben…

chengmeditationenTitelcover des Buches

 

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Das Leben erzeugt das Leben, ohne Ende

Vorspruch in François Cheng: „Fünf Meditationen über den Tod und über das Leben“, aus dem Französischen von Thomas Schultz,
C.H. Beck Verlag, 169 Seiten, 16,95 Euro.

 

Eine Leseprobe gibt es hier:

http://www.chbeck.de/fachbuch/zusatzinfos/Leseprobe_F%C3%BCnf-Mediationen-%C3%BCber-den-Tod.pdf

Lebendgem Worte bin ich gut

nietzschelebendemwortÜbertragung des Gedichtes von Nietzsche durch Xu Bing (*1955) im Museum für Ostasiatische Kunst, Köln

Foto: © wak

 

Lebendgem Worte bin ich gut:
Das springt heran so wohlgemut,
das grüßt mit artigem Geschick,
hat Blut in sich, kann herzhaft schnauben,
kriecht dann zum Ohre selbst dem Tauben
und ringelt sich und flattert jetzt
und was es tut, das Wort ergötzt.

Doch bleibt das Wort ein zartes Wesen,
bald krank und aber bald genesen.
Willst ihm sein kleines Leben lassen,
mußt du es leicht und zierlich fassen,
nicht plump betasten und bedrücken,
es stirbt oft schon an bösen Blicken –
und liegt dann da, so ungestalt,
so seelenlos, so arm und kalt,
sein kleiner Leichnam arg verwandelt,
von Tod und Sterben mißgehandelt.

Ein totes Wort – ein häßlich Ding,
ein klapperdürres Kling-Kling-Kling.
Pfui allen häßlichen Gewerben,
an denen Wort und Wörter sterben.

Friedrich Wilhelm Nietzsche (1844 – 1900)

(K)ein Sommerthema

Nein, ein Sommerthema ist es nicht. Aber doch auch. Gestorben wird 365/366 Tage im Jahr. Und die Verdrängung geschieht ebenso oft. Dem will eine Seite gegensteuern, auf die ich dieser Tage gestoßen bin. Sie hat mich sehr angesprochen, weil ich die gleichen Beobachtungen gemacht habe wie Judith Peller, die „deintodundich“ ins Leben gerufen hat.

deintodundich.Screenshot: http://www.deintodundich.de/

„Mitten im Leben sind wir vom Tod umfangen“, hieß es schon bei Notker von St. Gallen im 8. Jahrhundert. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Engel über Essen

Sie sind nun zu sehen. Noch vor dem Schnee waren sie gekommen. Engel über Essen. Oder besser: Engel in Essen.

 

paulkleeengelscreenshot

Screenshot Museum Folkwang: „Die Engel von Paul Klee“

 

Denn das Museum Folkwang zeigt sie nun; jene Engel, von denen die Analytikerin Ingrid Riedel schreibt:

„So sehen wir also in den Engelbildern Klees Stadien und Konfigurationen seiner eigenen ‚Engelwerdung‘ oder auch Selbstwerdung unter dem Andringen transzendenter Kräfte und Mächte, wie sie auf der Schwelle zwischen Leben und Tod für jeden Menschen spürbar werden können, aber auch schon auf der Schwelle all der kleineren Tode und Auferstehungen mitten im Leben, in denen das kleinere Ich zurückweicht, um dem größeren Selbst Platz zu machen.“

Hier also sind sie nun zu sehen:

http://www.museum-folkwang.de/de/ausstellungen/aktuell/engel-klee.html

 

Take five in moll

Dave Brubeck ist gestorben.

Vor einiger Zeit schrieb ich: „Meine ersten Erinnerungen an Jazz-Musik hängen ganz direkt mit ihm zusammen. Es ist das >>Take Five<<, das sich mir wie ein Ohrwurm in den Gehörgang gebrannt hat.“

Mehr hier:

https://wernerkrebber.wordpress.com/2010/12/06/brubecks-take-five-vorgestern-und-heute/

Der Tod ebnet den Weg für das Neue

Screenshot von http://www.apple.com

Steve Jobs ist tot. Man mag ihn gemocht haben oder nicht – an ihm und seinen Produkten sind viele Menschen nicht vorbei gekommen. Nachfolgender Gedanke, den er 2005 in einer Rede vor Studenten in Stanford entwickelte, hat mich angesprochen:

Der Tod
ist höchstwahrscheinlich
die beste Erfindung
des Lebens.

Er verändert das Leben.

Er räumt mit dem Alten auf
und ebnet den Weg für das Neue.

Du hast mir, Sommer, der du plötzlich bist…


Du hast mir, Sommer, der du plötzlich bist,
zum jähen Baum den Samen aufgezogen.
(Innen Geräumige, fühl in dir den Bogen
der Nacht, in der er mündig ist.)
Nun hob er sich und wächst zum Firmament,
ein Spiegelbild das neben Bäumen steht.
O stürz ihn, dass er, umgedreht
in deinen Schoß, den Gegen-Himmel kennt,
in den er wirklich bäumt und wirklich ragt.
Gewagte Landschaft, wie sie Seherinnen
in Kugeln schauen. Jenes Innen
in das das Draußensein der Sterne jagt.
[Dort tagt der Tod, der draußen nächtig scheint.
Und dort sind alle, welche waren,
mit allen Künftigen vereint
und Scharen scharen sich um Scharen
wie es der Engel meint.]

Rainer Maria Rilke, zwischen 14.10 und 9.11.1915, Ort unbekannt
Sieben Gedichte. In: Sämtliche Werke, Band II, 1957

Heute ist kalendarischer Sommeranfang 😉