Meinungsverschiedenheiten lösen

Dschuang Dsi / wikimedia ~ gemeinfrei

Angenommen, ich disputierte mit dir; du besiegst mich, und ich besiege dich nicht. Hast du nun wirklich recht? Hab‘ ich nun wirklich unrecht? Oder aber ich besiege dich, und du besiegst mich nicht. Habe ich nun wirklich recht und du wirklich unrecht? Hat einer von uns recht und einer unrecht, oder haben wir beide recht oder beide unrecht? Ich und du, wir können das nicht wissen. Wenn die Menschen aber in einer solchen Unklarheit sind, wen sollen sie rufen, um zu entscheiden? Sollen wir einen holen, der mit dir übereinstimmt, um zu entscheiden? Da er doch mit dir übereinstimmt, wie kann er entscheiden? Oder sollen wir einen holen, der mit mir übereinstimmt? Da er doch mit mir übereinstimmt, wie kann er entscheiden? Sollen wir einen holen, der von uns Beiden abweicht, um zu entscheiden? Da er doch von uns beiden abweicht, wie kann er entscheiden? Oder sollen wir einen holen, der mit uns beiden übereinstimmt, um zu entscheiden? Da er doch mit uns beiden übereinstimmt, wie kann er entscheiden?

So können also ich und du und die andern einander nicht verstehen, und da sollten wir uns von etwas, das außer uns ist, abhängig machen? Vergiß die Zeit! Vergiß die Meinungen! Erhebe dich ins Grenzenlose! Und wohne im Grenzenlosen!

Dschuang Dsï (um 365 – 290 v.u.Z.): Das wahre Buch vom südlichen Blütenland. Düsseldorf/Köln 1972, S. 50-51

Eines Tages wird alles gut sein…

Darstellung des Erdbebens von Lissabon / wikimedia, gemeinfrei

Eines Tages wird alles gut sein –
so hoffen wir;
alles ist heute gut –
das ist unsere Illusion.

Voltaire / François Marie Arouet (1694 – 1778) in seinem „Gedicht über das Erdbeben von Lissabon“

Regieren mit Gerechtigkeit, Wahrheit und Weisheit

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So muß einer, der da will regieren, die Herzen der Menschen sehen; und nach demselbigen Wissen zu handeln. Darum: sieht er in ihr Herz nit, so regiert er irrig und schwer, und ist dem Land übel und Schad. — Darum soll ein Obrigkeit auf drei Stücke gehen: auf Gerechtigkeit, Wahrheit und Weisheit.

Paracelsus (1493 – 1541)

Heilige Poesie…

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Heilige Poesie,
Himmelan steige sie!
Glänze, der schönste Stern,
Fern und so weiter fern!
Und sie erreicht uns doch
Immer, man hört sie noch,
Vernimmt sie gern.

Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), in Faust. Eine Tragödie / 3. Akt: Schattiger Hain

Unterschied

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Das Leben ist nicht so,
wie es sein sollte.
Es ist so, wie es ist.
Wie man damit fertig wird,
macht den Unterschied aus.

Virginia Satir (1916- 1988)

Deiner Seele alle Unruhe ersparen

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Es steht bei dir,
über dies und das
dir keine Meinung zu bilden
und so deiner Seele
alle Unruhe zu ersparen.
Denn die Dinge selbst
können ihrer Natur nach
uns keine Urteile abnötigen.

Marc Aurel (121 – 180) in seinen „Selbstbetrachtungen“, Sechstes Buch, Nr. 52