Sehnsucht nach wahrem Frieden der Seele

Fotos (c) wak

… Das östliche Denken, wie Laotse es denkt, ist ein mythisches, ein magisches Denken, ein Denken an sich. Das westliche Denken ist ein rationalistisches, empiristisches Denken, ein Denken um sich, ein Denken zum Zweck. Der östliche Mensch beruht in sich und hat seinen Sinn nur in sich. Seine Welt ist eine Innenwelt. Der westliche Mensch ist „außer sich“. Seine Welt ist die Außenwelt. Der östliche Mensch schafft die Welt, der westliche definiert sie. Der westliche ist der Wissenschaftler, der östliche ist der Weise, der Helle, der Heilige, der Wesentliche. Zu werden wie er, zu sein wie er: ruft er uns zu; denn wir sind müde des funktionellen, des mechanischen, des rationellen Da-seins und Dort-denkens. …. Die Sehnsucht nach einem wahren Frieden der Seele, dem absoluten Sinn in sich und an sich ist deine tiefste Sehnsucht, Mensch! Drum: werde wesentlich.

Mensch, werde wesentlich! LAOTSE. Sprüche, deutsch von Klabund. Verlag Fritz Heyder, Berlin-Zehlendorf 1921. (Aus dem Nachwort)

http://www.das-klassische-china.de/Tao/Ubersicht%20der%20versch%20Ausgaben/Unterseite%20Henschke%20-%20Klabund.htm

Etwas anders auch hier: Alfred Georg Hermann „Fredi“ Henschke, genannt Klabund (1890 – 1928) in: Klabund. Geschichte der Weltliteratur in einer Stunde. Leipzig 1923. S. 14

Mehr spirituelle Impulse täglich hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/

Gehe den geraden Weg

Foto: (c) wak

Betrachte alles naturgemäße Reden und Tun als deiner würdig. Lass dich also durch keine darauf folgenden Vorwürfe oder das Gerede anderer beeinflussen, vielmehr, wenn etwas gut ist zu tun oder zu sagen, so halte es deiner nicht für unwürdig. Jene haben eben ihren eigenen Sinn und folgen ihrer eigenen Neigung. Danach schaue dich nicht um, sondern gehe den geraden Weg und folge deiner eigenen und der gemeinsamen Natur. Beide haben nur einen Weg.

Mark Aurel (121 – 180) in: Selbstbetrachtungen. Fünftes Buch, Nr. 3

Mystik des aufblühenden Lotus

Lotus / Foto: (c) wak

Die Lehre des Dschuang Dsi ist groß, sie ist umfassend und mehr als das, sie ist beglückend. Sie erfaßt die Welt und vernichtet sie nicht. Sie erkennt das Böse und leugnet es nicht. Sie weiß, daß der Mensch böse ist von Urbeginn, und glaubt doch an ihn, denn was wäre der Sinn des Lebens eines Weisen, wenn nicht die Erziehung? Sie begnügt sich nicht mit der sichtbaren Welt, die zu ermessen und zu messen ist, sondern er nimmt mystischen Aufschwung in das unbegrenzte und nie zu ermessende Reich. Aber das ist keine Mystik des müden Unterganges, sondern die des aufblühenden Lotus, der aufgehenden Sonne, des aufrauschenden, unbeschreiblich mächtigen, unbeschreiblich freudigen Vogels Rockh.

Das höchste und tiefste, das dieser Mensch der Vorzeit uns zu geben hat, ist eben diese Vereinigung des Tiefsten mit dem Höchsten. Es ist eine Religion der Versöhnung, nicht auf dem Boden eines Dogmas, also auch nicht auf dem Boden des ewig unerfüllbaren: Liebet einander, sondern durch den Weg, den er jedem zu (seinem) innersten Erlebnis, zum Sinn des Lebens führen will. Dann gehen alle Farben ein in den unwandelbaren Regenbogen der Vereinigung. Er ist der einzige Weltgelehrte, der die Weltanschauung nicht durchsetzen, sondern alle Weltanschauungen zur Ruhe bringen will. Keine Zeit konnte so dürsten nach der Ruhe und der Vereinigung wie die unsere. Und unsere Zeit, kann man ihr auch nachsagen, wieviel man will und wieviel sie verdient, sie hat viel gelitten; und hier, in der Freude des lichten Ostens, könnte sie Heilung finden; wenn irgendwie und irgendwo, so im südlichen Blütenland.

Ernst Weiß  (1882 – 1940) in seinem Essay „Von Chinas Göttern“

Den Sinn seines Lebens kennen

Photo by Evelyn Chong on Pexels.com

Jeder Vogel weiß, wo er sein Nest bauen soll. Und wenn er weiß, wie und wo er sein Nest bauen soll, heißt das, dass er den Sinn seines Lebens kennt. Weshalb kennt dann der Mensch, die klügste unter allen Kreaturen, nicht das, was jeder Vogel kennt, nämlich den Sinn seines Lebens?

Aus China

Unsere Menschlichkeit ist völlig vergessen

Photo by cottonbro on Pexels.com

Unsere Menschlichkeit ist völlig vergessen. Und gewinnen wird nicht, wer gerecht ist, sondern wer mehr Treibstoff, mehr List, mehr Waffen, mehr Strategie, mehr Geld hat. In diesem Sinne bezweifle ich, dass es heute gerechte Kriege geben kann.

Raimon Panikkar (1918 – 2010) in: Das Abenteuer Wirklichkeit. Gespräche über die geistige Transformation München 2000, S. 78

Ginkgo Biloba: Eins und doppelt

Ginkgo am Oberhausener Haus Ripshorst / Foto: (c) wak

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Daß man sie als eines kennt?

Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn:
Fühlst Du nicht an meinen Liedern,
Daß ich eins und doppelt bin?

Johann Wolfgang von Goethe / 1815 (1749 – 1832)

Meister Eckhart: Mystiker auf Messers Schneide

Gedenktafel am Erfurter Predigerkloster für Meister Eckhart (1260 – 1328) / Foto: (c) wak

Es ist das unvermeidbare Schicksal der Mystik und ihrer Heiligen, zwischen Aufschwung und Absturz, zwischen religiöser Klassizität und kirchlicher Verdammung wie auf Messers Schneide hingehen zu müssen. Das tragische Schicksal des Meisters selbst liegt in diesem Sachverhalt beschlossen. Der in Gott ruhende Meister Eckehart ist aber auch im geistesgeschichtlichen Sinn kein Gewesener. Er ist vielmehr mit der ganzen Wucht seiner Gotteskindschafts-Verkündigung ein kaum erst geahnter Künftiger, ein geistig erst Kommender.

Dieser allgegenwärtig in Gott ruhende Meister Eckehart hat bei Lebzeiten seine Gegner in heiliger Einfalt nicht „erkannt“. Er spricht auch heute noch zu ihnen mit jedem seiner kämpferischen Worte:

„Die ihr euch an mir wie auch immer ärgert, ihr kennt euch selbst nicht, ihr kennt mich nicht. Denn: ihr kommt im Umkreis wahren Gotterlebens gar nicht vor.“

Friedrich Alfred Schmid Noerr in seiner Einleitung zu Meister Eckehart: Vom Wunder der Seele. Eine Auswahl aus den Traktaten und Predigten. Stuttgart 1963, S. 10-11

Gefühl des Geheimnisvollen

Fotographik (c) wak

Das Schönste und Tiefste, was der Mensch erleben kann, ist das Gefühl des Geheimnisvollen. Es liegt der Religion sowie allem tieferen Streben in Kunst und Wissenschaft zugrunde. Wer dies nicht erlebt hat, erscheint mir, wenn nicht wie ein Toter, so doch wie ein Blinder. Zu empfinden, dass hinter dem Erlebbaren ein für unseren Geist Unerreichbares verborgen sei, dessen Schönheit und Erhabenheit uns nur mittelbar und in schwachem Widerschein erreicht, das ist Religiosität. In diesem Sinne bin ich religiös. Es ist mir genug, diese Geheimnisse staunend zu ahnen und zu versuchen, von der erhabenen Struktur des Seienden in Demut ein mattes Abbild geistig zu erfassen.“

Albert Einstein (1879 – 1955)

Gefunden habe ich dieses Zitat hier: https://www.einstein-website.de/z_biography/credo.html

Der Mensch: natürlich und übernatürlich

Foto: (c) wak

Der Mensch ist nicht nur natürliches Wesen,
sondern auch übernatürliches Wesen,
ein Wesen göttlicher Herkunft
und göttlicher Bestimmung,
ein Wesen,
welches zwar in dieser Welt lebt,
aber nicht von dieser Welt ist.

Nikolai A. Berdjajew (1874 – 1948) in: Der Sinn des Schaffens, 1925

Gefunden habe ich das Zitat von Bedjajew hier: https://www.nootheater.de/menu.html / BUCH DER FREUNDE XXXVI