Frauen und Sexualstraftäter

„Nachdem 2009 der niedrigste Wert seit 1993 zu verzeichnen war, waren 2010 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern (§§ 176, 176a, 176b Strafgesetz-Buch / StGB) wieder angestiegen. Der Anstieg hat sich auch im Berichtsjahr 2011 fortgesetzt (+4,9 Prozent auf 12.444 Fälle). In diesem Deliktsbereich muss nach wie vor von einem hohen Dunkelfeld ausgegangen werden.“ Die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2011 weist sie aus. Die Fälle, wo es um Gewalt gegen Kinder geht, sexuelle Gewalt. 12.444 Fälle. Jeder dieser Fälle einer zuviel. (Sexualdelikte machen übrigens – auch das ist Realität – insgesamt 0,8% sämtlicher Straftaten aus).

Bekannt ist, dass es überwiegend Täter aus dem familiären Umkreis sind, die sexuelle Gewalt gegen Kinder ausüben. Eine Deliktart, die in besonderer Weise emotional besetzt ist. Auf allen Seiten. Und die Täter sind Väter, Lebensgefährten, Brüder. Doch hier ist ein Defizit zu beklagen.

Über viele Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, wurde allerdings ein Thema in diesem Zusammenhang tabuisiert: Die Frauenbewegung, deren negativer Blick auf „die“ Männer in weiten Teilen zu beobachten ist, hat sich nicht gekümmert um jene Frauen, die Frauen von Tätern oder Mütter von Tätern sind.
Weite Teile der Frauenbewegung wollten offensichtlich nicht wahrhaben, dass Frauen das System sexueller Gewalt stabilisieren können, wenn sie beispielsweise der sexuell genötigten Tochter nicht glauben, dass sie das Opfer der Gewalt des Vaters und damit ihres eigenen Mannes wurden. (Wobei allerdings auch zu sehen ist, dass sich die Situation der betroffenen Frauen mehr als schwierig darstellt. „Sie sind wie schwankendes Schilf“, sagte vor vielen Jahren eine psychiatrische Gutachterin in einem Prozess wegen sexueller Gewalt. Die Situation ist komplex in der Zerrissenheit zu der Loyalität ihrem Mann gegenüber und dem Vertrauen dem Kind gegenüber).

Aber wäre das nicht mal ein Thema, darüber zu reden, wie die Frauenbewegung Frauen hier helfen kann?

Quelle: http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/Downloads/DE/Broschueren/2012/PKS2011.html?nn=109628

Siehe auch: Werner Krebber, Sexualstraftäter im Zerrbild der Öffentlichkeit. Fakten Hintergründe Klarstellungen. 128 Seiten. EUR 12.50. Konkret Literatur Verlag, Hamburg, ISBN 978-3-89458-177-0

http://www.konkret-verlage.de/klv/

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