Mystische Gemütsbewegung

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Das Auflösen der Dunkelheit und der Unwissenheit führt zum Erwachen, zur Kenntnis seiner selbst, zur Teilnahme an der kosmischen Freude, zum Anklingen an den Rhythmus der Weltseele, also zur mystischen Gemütsbewegung.

Frederic Lionel (1908 – 1999) in: Abendland. Hüter der Flamme. Remagen, o.J., S. 121

Wiederherstellung der Weltharmonie

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Für mich liegt die einzig wirklich wichtige Aufgabe in einer Wiederherstellung eines Verantwortungsbewusstseins des Menschen gegenüber dem eigenen Schicksal. Der Mensch muss zum Begriff seiner eigenen Seele zurückfinden, zum Leiden an dieser Seele, zum Versuch, sein Handeln in Einklang mit dem eigenen Gewissen zu bringen. Er muss wieder akzeptieren lernen, dass sein Gewissen keine Ruhe geben kann, wenn der Lauf der Ereignisse in Widerspruch zu dem gerät, was er selbst darüber denkt. Das Leiden an der eigenen Seele lässt den wahren Stand der Dinge erspüren, provoziert Verantwortung und das Bewusstsein eigener Schuld. Dann wird man die eigene Trägheit und Nachlässigkeit auch nicht mehr die Ausrede rechtfertigen können, dass man ja doch an den Vorgängen in dieser Welt völlig unschuldig sei, da diese lediglich vom verderblichen Willen anderer bestimmt würden. Die Wiederherstellung der Weltharmonie hängt meiner Überzeugung nach von einer Restaurierung der persönlichen Verantwortung ab.

Andrej Tarkowskij, Die versiegelte Zeit – Gedanken zur Kunst, zur Ästhetik und Poetik des Films, Frankfurt a. Main / Berlin / Wien, 1988

TEXTE ZUM GEISTIGEN IM FILM. ORGANISATION ZUR UMWANDLUNG DES KINOS. SECTOR 16, 2017
https://verlagmagischeblaetter.eu/Publikationsreihe/B%C3%BCcher

Den Zweck seines Daseins kennen

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Wer nicht weiß, was die Welt ist,
der weiß auch nicht, wo er lebt.
Wer aber den Zweck seines Daseins nicht kennt,
der weiß weder,
wer er selbst, noch was die Welt ist.

Wem aber diese Kenntnis fehlt,
der kann auch seine eigene Bestimmung nicht angeben.
In welchem Lichte erscheint dir nun ein Mensch,
der die Lästerung derer fürchtet
oder um den lauten Beifall derer buhlt,
die nicht wissen, wo oder wer sie selbst sind?

Marc Aurel (121 – 180) in: Selbstbetrachtungen, Achtes Buch, 52

Weitere spirituelle Anregungen finden sich hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/

Schlüssel allumfassender Einsicht

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Mystiker, Weise und Psychologen sprechen zwar eine verschiedene Sprache, kommen aber zum selben Resulat: „Kenne dich selbst und du wirst das Universum und die Götter kennen“. Es ist dies der Schlüssel einer allumfassenden Einsicht einer übersinnlichen Wahrheit jenseits des Wissens, das nur ein Stützpunkt ist auf dem Weg zum Vater.

Frederic Lionel (1908 – 1999)

Plädoyer für das Schweigen

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In seiner aufrüttelndsten und ehrgeizigsten Version ist das Plädoyer für das Schweigen Ausdruck eines mystischen Projekts zur totalen Befreiung. Es geht um nichts Geringeres als die Befreiung des Künstlers von sich selbst, der Kunst vom einzelnen Kunstwerk, der Kunst von der Geschichte, des Geistes von der Materie, des Denkens von seinen perzeptuellen und intellektuellen Grenzen.

Susan Sonntag (1933 – 2004) in ihrem Aufsatz „Ästhetik der Stille“

Beiseiteschrieben kritischer Einstellung

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Ein Problem unserer Zeit ist das Überhandnehmen von Zeremonien erdichteter Art, wie auch die wachsende Anzahl derer, die angeben, in Lama-Klöstern, Hindu-Ashrams, Zen-Zentren und sonstigen geistigen Gemeinschaften eingeweiht worden zu sein, um im Abendland zu lehren.
Der Wunsch, das Beste aus sich selbst herauszuholen, hat als Folge das Beiseiteschieben der kritischen Einstellung, weil die Befriedigung, ein Auserwählter zu sein, ein Privileg ist, das man seinen Fähigkeiten zuschreibt, und die man dementsprechend als ausschlaggebend annimmt.

Frederic Lionel (1908 – 1999)

Der heraklitische Fluss

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Daß in denselben Fluß du kannst nicht zweimal steigen,
Weil jeden Augenblick ihm andre Flut ist eigen,

Und daß du selber auch, dir selber nicht getreuer,
Bist jeden Augenblick ein anderer und neuer;

Der Weise, der dies sprach; du meinest wohl, daß schwach
Er war und wandelbar, beweglich wie der Bach?

Vielmehr unwandelbar war er, und blieb dabei,
Beharrlich, steif und stet, daß alles unstet sei.

Selbst unbeweglich, ließ er alles sich bewegen,
Und dachte nicht daran sich selbst zu widerlegen.

Friedrich Rückert (1788 – 1866) in: Die Weisheit des Brahmanen

Geteilte Welten in Christus transzendieren

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Wenn ich in mir das Denken und die Frömmigkeit der östlichen und westlichen Christenheit, der griechischen und lateinischen Väter, der Russen mit den spanischen Mystikern vereinige, kann ich in mir die Wiedervereinigung der getrennten Christen vorbereiten. Von dieser geheimen und unausgesprochenen Einheit in mir selbst kann schließlich eine sichtbare und manifeste Einheit aller Christen entstehen. Wenn wir zusammenbringen wollen was geteilt ist, können wir dies nicht tun, indem wir eine Spaltung über die andere stülpen oder die eine Spaltung in die anderen. Wenn wir das aber tun, ist die Vereinigung nicht christlich. Sie ist politisch, und zu weiteren Konflikten verdammt. Wir müssen alle geteilten Welten in uns enthalten und sie in Christus transzendieren.

Thomas Merton (1915 – 1968) in „Conjectures of a Guilty Bystander“

Im Anfang war der Mensch und seine Götter Eins

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Das erste Kind der menschlichen, der göttlichen Schönheit ist die Kunst. In ihr verjüngt und wiederholt der göttliche Mensch sich selbst. Er will sich selber fühlen, darum stellt er seine Schönheit gegenüber sich. So gab der Mensch sich seine Götter. Denn im Anfang war der Mensch und seine Götter Eins, da, sich selber unbekannt, die ewige Schönheit war. – Ich spreche Mysterien, aber sie sind. –

Der Schönheit zweite Tochter ist Religion. Religion ist Liebe der Schönheit. Der Weise liebt sie selbst, die Unendliche, die Allumfassende; das Volk liebt ihre Kinder, die Götter, die in mannigfaltigen Gestalten ihm erscheinen. Auch so wars bei den Athenern. Und ohne solche Liebe der Schönheit, ohne solche Religion ist jeder Staat ein dürr‘ Gerippe ohne Leben und Geist, und alles Denken und Tun ein Baum ohne Gipfel, eine Säule, wovon die Krone herabgeschlagen ist.

Friedrich Hölderlin (1770–1843) in: Hyperion oder der Eremit in Griechenland

Gefunden habe ich diesen Text von Hölderlin aktuell hier:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VI

CII. Jahrgang SOMMER 2021

Thema: Die erste Ausstellung des Jakob-Böhme-Bundes

Heft 5, Mai 2021

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