Leere, Schweigen, Stille

 

Indem man schweigt,
erhält man das Schweigen nicht.
Aber indem man
die Stille
und das Schweigen
und die Leere
in eine Form fasst,
erhält man die Stille
und die Leere
und das Schweigen.

Peter Handke (* 1942) in einem Gespräch mit Herbert Gamper

Beginen-Mystik im Kölner Mystikkreis am 2. September

Beginen: Mystische Autonomie und radikale Liebe

Mystik-Kreis Köln am 2. September 2018

Foto: © wak

Die Strahlkraft der Mystikerinnen Mechthild von Magdeburg, Hadewijch von Antwerpen und Marguerite Poréte

Im Meer einer von Männern dominierten hierarchischen Ungerechtigkeit schufen die Beginen im Mittelalter Inseln der Freiheit für Frauen. Etwa eine Million Frauen haben im Geist dieser Armuts- und Reformbewegung in Häusern oder Wohnungen von Verwandten oder Freundinnen zusammengefunden. Oft erstellten sie die Regeln ihrer Gemeinschaft selbst. Für ihr geistliches Leben schufen sie eigene Formen von Exerzitien, Gebet und Schweigen. Ihren Lebensunterhalt erwirtschafteten sie unabhängig durch sehr verschiedene Handwerke. Gleichzeitig schufen sie ebenso Bildungseinrichtungen wie sie Kranke und Sterbende auf ihrem schweren Weg begleiteten. Als Frauen- und Sozialbewegung konnten sie dies vor allem aus der Kraft ihrer Mystik. Sie folgten dem spirituellen Aufbruch einer Armutsbewegung, die sich auf das gemeinsame Leben der Urkirche besann. Geprägt wurde ihr spirituelles Leben im Besonderen von der mystischen Unmittelbarkeit zu Gott, die sie autonom gestalteten. Anfeindungen und Verfolgungen entgegneten Beginen mit einem Satz des Apostels Paulus: „… Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“.

Anhand der drei Mystikerinen Mechthild von Magdeburg, Hadewijch von Antwerpen und Marguerite Poréte, die an der Schwelle vom 13. zum 14. Jahrhundert lebten, wird der Mystikkreis Köln sich dieser Tradition annähern und sie auf ihre Aktualität hin abklopfen. Ist Mechthild „Klassikerin“ der sogenannten „Deutschen Mystik“, kann Hadewijch auch in den Dialog mit östlichen Traditionen eintreten. Und Marguerite Poréte ist untrennbar mit der Mystik von Meister Eckhart verbunden.

Der spirituellen Strahlkraft dieser mystischen Frauen wollen wir am 2. September nachspüren.

Anmeldungen bitte bis zum 29. August, damit wir genauer planen können:

Rani Kaluza
weissefeder@netcologne.de
Fon: 0221/ 2406997

Hier können Sie den Flyer von „Mystik hier und jetzt“ herunterladen:

https://de.scribd.com/document/373535678/Mystik-hier-und-jetzt-Studien-und-Praxiskreis-Einsichten-und-Erfahrungen?secret_password=Ss9hY6RXq5uhVIHkVq87

Informationen auch hier:

https://www.facebook.com/events/2306223422996497/

Organisatorisches:

Wir treffen uns an jedem ersten Sonntag im Monat im Kölner Stadtteil Sülz. An diesen Sonntagen wird für beides Zeit sein – für stilles kontemplatives Sitzen und für das Studieren mystischer Texte & Themen sowie den gemeinsamen Austausch.

Der Kurs ist auf 12 Teilnehmer beschränkt, bitte vorher anmelden. – Kostenbeitrag 15,– Euro

Wir freuen uns auf Ihr Kommen:
Rani Kaluza (http://doingnothing.de/)
Werner A. Krebber (https://mystikaktuell.wordpress.com/)

Vom (instrumentalisierten) Schweigen

Gerade habe ich mal in der Historie dieses Blogs nachgesehen und fand diesen Beitrag, den ich im April 2015 veröffentlicht habe:

„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.“

Satz 7 des Tractatus logico-philosophicus von Ludwig Josef Johann Wittgenstein (1889 – 1951)

Es kann gut sein, zu schweigen. Manchmal muss es gut sein, zu schweigen. In einigen spirituellen Übungen zum Beispiel ist schweigen unabdingbar.

Es gibt aber auch eine Instrumentalisierung des Schweigens, die zu inflationären Auswüchsen zu scheinen führt. Wenn ich allein die letzten Wochen beobachte, wofür alles „Schweigeminuten“ benutzt werden, frage ich selbst mich nach dem tieferen Sinn.

Aber vielleicht geht es ja auch nur mir so. Ich weiß es nicht…

© wak

Sehnsucht

Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge
und keine Heimat haben in der Zeit.
Und das sind Wünsche: leise Dialoge
täglicher Stunden mit der Ewigkeit.

Und das ist Leben. Bis aus einem Gestern
die einsamste Stunde steigt,
die, anders lächelnd als die andern Schwestern,
dem Ewigen entgegenschweigt.

Rainer Maria Rilke (1875 – 1926) in: Frühe Gedichte

MuT zur Kunst

 

MuTScreenshot der Homepage mit Hinweis auf das „Museum unter Tage“

Mit dem „Museum unter Tage / MuT“ hat der Schlosspark in Bochum-Weitmar einen weiteren Anziehungspunkt.

Auf der Homepage des Museum heißt es:

Das MuT wurde landschaftsschonend unter der Erde erbaut und erfüllt zwei wesentliche Funktionen: Ein Drittel (ca. 500 m2) der Ausstellungsfläche soll für wegweisende Wechselausstellungen genutzt werden, die schon jetzt in Situation Kunst u.a. in Zusammenarbeit mit verschiedenen Instituten der RUB entwickelt und in aller Regel von hier aus bundes- bis europaweit in andere Museen auf Tournee geschickt werden. Zwei Drittel (ca. 1.000 m2) der Ausstellungsräume sollen dazu dienen, dauerhaft größte Teile des Konvolutes Weltsichten zu präsentieren. Dieses umfasst etwa 350 überwiegend bedeutende Werke der Landschaftskunst seit dem 15. Jahrhundert, vom klassischen Ölgemälde bis zur raumfüllenden Video-Sound-Installation. In einer von Bochum ausgehenden Ausstellungsreihe wurde dieses Konvolut bereits in mehreren deutschen und internationalen Museen (darunter Kiel, Wiesbaden, Chemnitz, Cottbus, Maastricht) gezeigt.

Wie ein kleines, überschaubares Kompendium der Kunstgeschichte zeigt sich die Liste der Künstler, die ihre „Weltsichten“ beitragen: Jacopo Bellini, Philips Wouwerman, Jacob van Ruisdael, Camille Corot, Gustave Courbet, Max Slevogt, Paul Cézanne, Paul Klee, Pablo Picasso, Max Slevogt, Roy Lichtenstein, Adolf Luther, Jan Dibbets, Rudolf Holtappel, Walker Evans etc.

China als „Wiege der Landschaftsmalerei“ wird dort ebenso präsentiert wie Europas „späte Geburt, Idylle: Sehnsucht und Illusion heißt ein Raum, Schweigen, Stille, Einsamkeit ein anderer. Spannende Entdeckungen…

 

Mehr zum „Museum unter Tage“, das Teil der „Situation Kunst“ ist, gibt es hier:

http://www.situation-kunst.de/mut.htm

Wovon man nicht sprechen kann…

„Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.“

 Satz 7 des Tractatus logico-philosophicus von Ludwig Josef Johann Wittgenstein (1889 – 1951)

 

Es kann gut sein, zu schweigen. Manchmal muss es gut sein, zu schweigen. In einigen spirituellen Übungen zum Beispiel ist schweigen unabdingbar.

Es gibt aber auch eine Instrumentalisierung des Schweigens, die zu inflationären Auswüchsen zu scheinen führt. Wenn ich allein die letzten Wochen beobachte, wofür alles „Schweigeminuten“ benutzt werden, frage ich selbst mich nach dem tieferen Sinn.

Aber vielleicht geht es ja auch nur mir so. Ich weiß es nicht…

Die Sprache wiedergeben

Man muss manchmal
im Namen der Geretteten
sprechen.
In ihrem Namen,
ihrem Schweigen
sprechen,
um ihnen
die Sprache
wiederzugeben.

Jorge Semprun in „Schreiben oder Leben“ Frankfurt/M. 1997, S. 167

(In diesem Buch schildert Semprun die Stunden und Tage der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald durch alliierte Truppen)