Wieviel Engel sitzen können auf der Spitze einer Nadel…

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Wieviel Engel sitzen können
auf der Spitze einer Nadel –
wolle dem dein Denken gönnen,
Leser sonder Furcht und Tadel!

„Alle!“ wirds dein Hirn durchblitzen.
„Denn die Engel sind doch Geister!
Und ein ob auch noch so feister
Geist bedarf schier nichts zum Sitzen.“

Ich hingegen stell den Satz auf:
Keiner! – Denn die nie Erspähten
können einzig nehmen Platz auf
geistlichen Lokalitäten.

Christian Morgenstern (1871 – 1914)
in seinem Gedicht „Scholastikerprobleme I“

 

Mehr zu Doing Nothing, Engeln und Mystik am 16. Februar 2020 hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2019/12/11/doing-nothing-engel-und-mystik-mystik-sonntag-am-16-februar-2020-herzliche-einladung/

 

Die blaue Blume

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Ich suche die blaue Blume,
Ich suche und finde sie nie,
Mir träumt, dass in der Blume
Mein gutes Glück mir blüh.

Ich wandre mit meiner Harfe
Durch Länder, Städt und Au’n,
Ob nirgends in der Runde
Die blaue Blume zu schaun.

Ich wandre schon seit lange,
Hab lang gehofft, vertraut,
Doch ach, noch nirgends hab ich
Die blaue Blum geschaut.

Joseph von Eichendorff (1818)

 

Mehr zur Symbolik der „Blauen Blume“ hier: https://wortwuchs.net/blaue-blume/

An den Bürger

Karl Kraus / Bild wikimedia, gemeinfrei

Daß im Dunkel die dort leben,
so du selbst nur Sonne hast;
daß für dich sie Lasten heben,
neben ihrer eignen Last;
daß du frei durch ihre Ketten,
Tag erlangst durch ihre Nacht:
was wird von der Schuld dich retten,
daß du daran nie gedacht!

Karl Kraus. Worte in Versen VII. Gedichte (1922-1930)

Es nehmen lernen ohne allzuviel fallen zu lassen

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Und nun wollen wir glauben an ein langes Jahr, das uns gegeben ist, neu, unberührt, voll nie gewesener Dinge, voll nie getaner Arbeit, voll Aufgabe, Anspruch und Zumutung; und wollen sehen, daß wirs nehmen lernen, ohne allzuviel fallen zu lassen von dem, was es zu vergeben hat, an die, die Notwendiges, Ernstes und Großes von ihm verlangen.

Rainer Maria Rilke (1875–1926) schrieb dies in einem Brief an seine Frau Clara am 1. Januar 1907

Niemand ist eine Insel

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Kein Mensch ist eine Insel,
vollständig für sich allein;
jeder Mensch ist ein Stück des Kontinents,
ein Teil der Heimat.

eines jeden Menschen Tod zehrt mich auf,
verstrickt wie ich bin in die Menschheit.
Und deshalb, nie noch gesandt zu wissen,
wem die Glocke schlägt;
sie schlägt für Dich.

John Donne (1572 – 1631) Meditation XVII

https://www.ccel.org/ccel/donne/devotions.iv.iii.xvii.i.html

Der Text des Gedichtes wurde heute in Barcelona bei der Trauerfeier zum Gedenken an die Terroropfer vom 17. August 2017 von Angehörigen der Getöteten und Verletzten gesprochen.