Seiner Jahre Zahl vollenden

Foto: (c) wak

Unser Leben ist endlich; das Wissen ist unendlich. Mit dem Endlichen etwas Unendlichem nachzugehen, ist gefährlich. Darum bringt man sich nur in Gefahr, wenn man sein Selbst einsetzt, um die Erkenntnis zu erreichen. Dem Gutestun folgt der Ruhm nicht auf dem Fuße nach; dem Übeltun folgt die Strafe nicht auf dem Fuße nach.

Wer es aber versteht, die Verfolgung der Hauptlebensader zu seiner Grundrichtung zu machen, der ist imstande, seinen Leib zu schützen, sein Leben völlig zu machen, den Nächsten Gutes zu tun und seiner Jahre Zahl zu vollenden.

Dschuang Dsï: Das wahre Buch vom südlichen Blütenland. Kreuzlingen / München, 2002, S. 53-54

Sich das Reich der Kunst erschließen

Foto: (c) wak

Man hat den aufrichtigen Wunsch,
das Lebensgebiet der bildenden Kunst
sich erschließen zu lassen,
aber man weiß noch nicht,
daß man es sich nur
selber erschließen kann.

Bô Yin Râ / Josef Anton Schneiderfranken (1876 – 1943 ) in: „Das Reich der Kunst“, Basel 1933

Die Natur handelt nicht nach Zwecken

Foto: (c) wak

Die Natur handelt nicht nach Zwecken, sie reibt sich nicht in einer unendlichen Reihe von Zwecken auf, von denen der eine den anderen bedingt; sondern sie ist in allen ihren Äußerungen sich unmittelbar selbst genug. Alles, was ist, ist um seiner selbst willen da.

Georg Büchner (1813 – 1837): Über Schädelnerven. Probevorlesung in Zürich, 5. November 1836

Mehr zu Büchner hier: http://buechnerportal.de/

Der Heilige Geist ist mehr als die Bibel

Der Heilige Geistes in der Wiener Karlskirche – Detail / wikimedia ~ gemeinfrai

Der Heilige Geist
ist mehr als die Bibel.
Er soll unser Lehrer des Christentums sein –
nicht toter, irdischer, zweideutiger Buchstabe.

Novalis / Friedrich von Hardenberg (1772 – 1801) in: Fragmente

Ohne warum

Foto: (c) wak

Die Ros ist ohn warum;
sie blühet, weil sie blühet,
Sie acht nicht ihrer selbst,
fragt nicht, ob man sie siehet.

Angelus Silesius / Johannes Scheffler (1624 – 1677)

Meditation: Vom Leben nicht getrennt

Photo by Pixabay on Pexels.com

Meditation ist vom Leben nicht getrennt. Sie ist das wahre Wesen des Lebens, das wahre Wesen des täglichen Lebens. Auf jene Glocke zu lauschen, das Lachen jenes Bauern zu hören, wenn er mit seiner Frau vorbeigeht, auf den Klang der Fahrradklingel des kleinen Mädchens zu hören, wenn es vorbeifährt: Meditation öffnet dir das ganze Leben, und nicht nur ein Fragment davon.

Jiddu Krishnamurti (1897 – 1986)

Den Punkt Omega niemals aus den Augen lassen

Foto: (c) wak

Die Wirren unsrer Zeit, die Naturkatastrophen, die Angst, die Weltuntergangsstimmung, das alles ist nichts als die Geburtswehen des „Gottesreiches“. Wir dürfen diesen Punkt Omega niemals aus den Augen lassen, niemals, sonst stehen wir diese „Endzeit“ nicht durch. Und wenn nun wirklich unsere Erde zerstört wurde durch „das Feuer vom Himmel“, wie die Apokalypse sagt? Nun, was wird da zerstört? Nur die Materie. Nur das Biologische unserer Existenz. Das Eigentliche, der Geist, unser göttliches Teil, das bleibt.

Zeiten-Ende. Tagebuchzitat (1979-1982) von Luise Rinser in Anlehnung an Teilhard de Chardin

Ausführlicher ist dieses Rinser-Zitat hier nachzulesen:

MAGISCHE BLÄTTER, BUCH X
CIII. Jahrgang, Mai 2022, Heft 5 / Thema: VON JACOB BÖHME ÜBER DIE ROMANTIK ZUM BÖHME-BUND

Bestellt werden kann die Ausgabe hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift-magische-bl%C3%A4tter