Für Erneuerung nicht reif

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In Meister Eckhart und seiner Schule hat sich nichts Geringeres vollzogen als die Geburt einer neuen Religion, eine völlige Umschöpfung des bisherigen christlichen Glaubens, zu der sich die lutherische Reformation verhält wie eine Erderschütterung zu einer geologischen Umbildung oder wie ein reinigendes und befruchtendes Gewitter zu einem irdischen Klimawechsel, der eine neue Fauna und Flora ins Leben ruft. Hätte diese Bewegung sich durchgesetzt, so wäre für Europa ein neues Weltalter angebrochen; sie ist aber von der Kirche unterdrückt worden, und dass dies so vollständig gelang, spricht weniger gegen die Kirche, die nur in ganz logischer Wahrung ihrer Interessen handelte, als gegen die europäische Menschheit, die offenbar für eine solche grundstürzende Erneuerung noch nicht reif war.

Egon Friedell (1878 – 1938) in: Kulturgeschichte der Neuzeit, München 1969, S. 162

Suchender und Findender werden

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…ich sprach in dieser Weise:
dass der Mensch ein Gott in allen Dingen suchender
und ein Gott zu aller Zeit
und an allen Stätten
und bei allen Leuten
in allen Weisen
findender Mensch werden müßte.
Darin kann man allzeit
ohne Unterlaß zunehmen und wachsen
und nimmer an ein Ende kommen des Zunehmens.

Meister Eckhart (1260 bis 1328) in „Reden der Unterweisung“, XXII

Der Beitrag ist zuerst hier erschienen: https://mystikaktuell.wordpress.com/

Nichts sein, nichts wollen, nichts wissen ~ Gelassenheit bei Meister Eckhart

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Der Mensch stellt in der Gelassenheit sein Sein (er ist nichts), sein Handeln (er will nichts), und sein Erkennen (er weiß nichts) ganz Gott anheim und verzichtet auf jede kreatürliche Selbstversicherung. Das heißt, dass nur derjenige gelassen ist, der sich selbst ganz und gar lässt, also sein Selbstsein in der Welt und die kraft dieses Selbstseins erlangte Versicherung des Heils negiert, ja selbst Gott lässt, insofern er sich etwas darunter vorstellt.

Nikolaus Largier (* 1957) | Meister Eckhart, Werke I, Frankfurt 1993, S. 960

In ruhigen Stunden nachlesen und Corona ein Schnippchen schlagen…

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Nachfolgend Links zu ein paar älteren Texten von mir. Zum Teil sind sie in der „Connection“ erschienen, zum Teil anderswo. Jedenfalls laden sie ein, noch einmal darin zu stöbern und die eine oder andere Anregung zu bekommen.

I

Der Weg zum Selbst
Der Weg in die Zukunft auf den Spuren der Mystik
https://mystikaktuell.wordpress.com/2015/06/03/wege-zum-selbst/

Labyrinth – das große Abenteuer
https://mystikaktuell.wordpress.com/2011/05/21/labyrinth-das-grose-abenteuer/

Nur wer aufbricht, kann ankommen
Pilgerschaft als Seins-Weise
https://mystikaktuell.wordpress.com/2012/04/08/pilgern-als-seins-weise/

II

Meister Eckhart: Brückenbauer zum Hier und Jetzt
https://mystikaktuell.wordpress.com/2012/03/27/meister-eckhart-bruckenbauer-zum-hier-und-jetzt/

Annäherung an Meister Eckhart
https://meistereckhart750.wordpress.com/2010/12/06/annaherung-an-meister-eckhart/

Erleuchtung im Durchbruch des Nichts
Der Mystiker Johannes Tauler und Zen
https://mystikaktuell.wordpress.com/2010/11/28/der-mystiker-johannes-tauler-und-zen/

Meister Eckhart und Zen-Buddhismus
https://meistereckhart750.wordpress.com/2010/11/20/meister-eckhart-und-zen-buddhismus/

Meister Eckhart und die Beginen
https://meistereckhart750.wordpress.com/2010/02/17/eckhart-und-die-beginen/

Beginen – Mystikerinnen des Tuns
https://mystikaktuell.wordpress.com/2010/11/21/beginen-mystikerinnen-des-tuns/

Beginen: Mystik, Verfolgung und Verurteilung
https://mystikaktuell.wordpress.com/2012/05/20/beginen-mystik-verfolgung-und-verurteilung/

 

III

Das Herz – Stätte der Lebenskraft
https://mystikaktuell.wordpress.com/2012/01/22/das-herz-statte-der-lebenskraft/

Worte, die heilen können
Bibliotherapie aus buddhistischem Geist
https://mystikaktuell.wordpress.com/2015/07/30/worte-die-heilen-koennen/

Heilende Worte
https://mystikaktuell.wordpress.com/2015/07/29/heilende-worte/

Worte, die das Herz öffnen
Vorboten und Wegweiser zur Heilung
https://mystikaktuell.wordpress.com/2012/04/20/worte-die-das-herz-offnen/

 

Aphorismen und Lyrisches von mir findet sich hier:

https://wernerkrebber.wordpress.com/category/aphorismen/

Bitte recht freundlich / Update

Gestern bekam ich eine Mail. Es ging um einen Text in dem inzwischen Archiv gewordenen Blog zu Meister Eckhart.suchequelleKurz, knapp, in einem Satz war der Wunsch formuliert, den die Schreiberin der Mail hatte.

Genauer gesagt waren es knapp 15 Sätze von Meister Eckhart, um die es der Frau ging. Was mich dann doch etwas störte war der Ton, in dem die Bitte formuliert wurde. Was nur noch fehlte war ein: „zack zack!!!“

Da denke ich dann doch mal: „Bitte recht freundlich“…

 

UPDATE:

Die Frau meldete sich vorhin mit den Sätzen:

„“tut mit Leid, dass Sie das so aufgefasst haben; ich dachte, kurz und
knapp wäre dem Medium angemessen.““

o.k.

 

Meister Eckhart Preis verliehen

Mit dem Meister Eckhart Preis wird der französische Philosoph Michel Serres ausgezeichnet. In einer Pressemitteilung der Identity Foundation, Köln, heißt es über ihn:

Michel Serres                   (Foto: Esther Suave)

Wie kaum ein anderer Denker der Gegenwart vermag es der französische Philosoph Michel Serres, den großen Fragen der Zeit gerecht zu werden, indem er auf die Komplexität der globalen Herausforderungen mit ebenso „großen Erzählungen“ antwortet. Wo die vermeintlichen Eliten aus Politik und Wirtschaft sich an systemischen Detailfragen festbeißen und damit das große Ganze, also die Frage, wie wir wirklich leben wollen, aus dem Blick verlieren, betrachtet Michel Serres in diesem intellektuellen Vakuum die Mannigfaltigkeit und das Chaos der Welt als kulturschöpferischen Impuls und plädiert für eine das Weltverständnis erweiternde „Weisheit des enzyklopädischen Wissens“.

Damit trifft er die Befindlichkeit einer Gesellschaft, die das alte Denken von oben nach unten, die Vormundschaft der Wenigen über die Massen, zunehmend durch ein „Handeln in Vielfalt“ ersetzt. Mit seiner „Epistemologie der Interstrukturen“, die Kommunikation als mehrdimensionales Netzwerk der permanenten Neuorganisation begreift und die Serres in seinem Monumentalwerk Hermes entwirft, führt er ein neues Moment in die Sphäre der Weltaneignung und -bewältigung ein: Das große Ja zur Welt artikuliert sich in der Vielstimmigkeit und speist sich aus den Momenten, in denen der Mensch wirklich menschlich sein kann.

Michel Serres wurde 1930 in Agen geboren. Er besuchte die französische Marineakademie und die École normale supérieure, fuhr mehr als zehn Jahr zur See und habilitierte über Leibniz. Stationen seines wissenschaftlichen Wirkens waren die Universität Clermont-Ferrand (als Assistent von Michel Foucault), Paris, São Paulo, Montréal und Buffalo sowie die Stanford University, an der er noch heute lehrt. 1990 wurde Michel Serres in die Académie française aufgenommen. Bücher in deutscher Sprache u.a. Aufklärungen (2008), Atlas (2005), Thesaurus der exakten Wissenschaften (2001), Hermes (5 Bände, 1991 bis 1994). (Foto: Esther Suave)Wie kaum ein anderer Denker der Gegenwart vermag es der französische Philosoph Michel Serres, den großen Fragen der Zeit gerecht zu werden, indem er auf die Komplexität der globalen Herausforderungen mit ebenso „großen Erzählungen“ antwortet. Wo die vermeintlichen Eliten aus Politik und Wirtschaft sich an systemischen Detailfragen festbeißen und damit das große Ganze, also die Frage, wie wir wirklich leben wollen, aus dem Blick verlieren, betrachtet Michel Serres in diesem intellektuellen Vakuum die Mannigfaltigkeit und das Chaos der Welt als kulturschöpferischen Impuls und plädiert für eine das Weltverständnis erweiternde „Weisheit des enzyklopädischen Wissens“.

Michel Serres wurde 1930 in Agen geboren. Er besuchte die französische Marineakademie und die École normale supérieure, fuhr mehr als zehn Jahr zur See und habilitierte über Leibniz. Stationen seines wissenschaftlichen Wirkens waren die Universität Clermont-Ferrand (als Assistent von Michel Foucault), Paris, São Paulo, Montréal und Buffalo sowie die Stanford University, an der er noch heute lehrt. 1990 wurde Michel Serres in die Académie française aufgenommen. Bücher in deutscher Sprache u.a. Aufklärungen (2008), Atlas (2005), Thesaurus der exakten Wissenschaften (2001), Hermes (5 Bände, 1991 bis 1994).

Die Laudatio anlässlich der Preisverleihung im Audimax der Universität zu Köln hält Prof. Dr. Petra Gehring, Professorin für Theoretische Philosophie am Institut für Philosophie der Technischen Universität Darmstadt. Sie beschäftigt sich seit langem mit der Philosophie, den wissenschaftstheoretischen Thesen und der Theoriesprache von Michel Serres und ist eine Kennerin des strukturalistischen wie auch des poststrukturalistischen Denkens, dem das Werk des Preisträgers zugerechnet wird.