Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen

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Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.

Rainer Maria Rilke, 20.9.1899, Berlin-Schmargendorf

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Aufbrechen heißt, sich den anderen öffnen

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Aufbrechen heißt, aus sich herausgehen. Die Krusten des Egoismus zerbrechen, aufhören, sich um sich selbst zu drehen, als ob man der Mittelpunkt der Welt und des Lebens wäre.

Aufbrechen heißt, sich nicht in den Kreis der Probleme der kleinen Welt einschließen lassen, zu der wir gehören.

Aufbrechen heißt vor allem, sich den anderen öffnen, sie entdecken, ihnen begegnen.Glücklich, wer folgenden Gedanken lebt und versteht:

„Wenn du nicht mit mir einverstanden bist, bereicherst du mich.“

Dom Hélder Câmara (1909-1999)

Ich ließ meinen Engel lange nicht los…

 

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Ich ließ meinen Engel lange nicht los,
und er verarmte mir in den Armen
und wurde klein, und ich wurde groß:
und auf einmal war ich das Erbarmen,
und er eine zitternde Bitte bloß.

Da hab ich ihm seine Himmel gegeben, –
und er ließ mir das Nahe, daraus er entschwand;
er lernte das Schweben, ich lernte das Leben,
und wir haben langsam einander erkannt…

Rainer Maria Rilke | * 4. Dezember 1875
Aus: Frühe Gedichte (Engellieder)

Erich Fromm zum garantierten Grundeinkommen

Das garantierte Einkommen würde nicht nur aus dem Schlagwort „Freiheit“ eine Realität machen, es würde auch ein tief in der religiösen und humanistischen Tradition des Westens verwurzeltes Prinzip bestätigen, dass der Mensch unter allen Umständen das Recht hat zu leben. Dieses Recht auf Leben, Nahrung und Unterkunft, auf medizinische Versorgung, Bildung usw. ist ein dem Menschen angeborenes Recht, das unter keinen Umständen eingeschränkt werden darf…

Erich Fromm (1900 – 1980) in: Über den Ungehorsam. Stuttgart 1982, S. 106-107

WaderWeckerVaterLand

18.05.2017, 0.15 h | 91:29 min. | In der Mediathek verfügbar bis 24.05.2017 | Quelle: SWR

In seiner Ankündigung für die Dokumentation schreibt der SWR:

Hannes Wader und Konstantin Wecker gehören zu den bekanntesten politischen Liedermachern Deutschlands. Der Filmemacher Rudi Gaul begleitete die beiden Künstler auf ihre erste gemeinsame Tournee. ein Film über die Begegnung zweier widersprüchlicher Persönlichkeiten, die mit ihren Liedern die ’68er Bewegung geprägt haben. Zudem ist er ein Stück Zeitgeschichte über ein Land, das sich über die Jahrzehnte nicht weniger verändert hat als Wader und Wecker mit ihm. Eines ist in ihren Liedern und ihrem Leben bis heute geblieben: Die Sehnsucht, sich nicht verbiegen zu müssen, sondern mit allen Schwächen, Leidenschaften, Exzessen eigenwillig zu sein; die Sehnsucht, sich immer wieder zu wandeln, dabei Grenzen auszutesten – mit dem Risiko abzustürzen. Weil man nur dann das Leben spürt …

http://swrmediathek.de/player.htm?show=9ec52d30-3962-11e7-9fa5-005056a12b4c

http://www.ardmediathek.de/tv/Dokumentarfilm/Wader-Wecker-Vater-Land/SWR-Fernsehen/Video?bcastId=1105036&documentId=42840216