Wege

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Lebendigen Geist aufhellen

Foto: © wak

Der große Schrei, der sich aus allen unseren Fabrikstädten erhebt, lauter als das Gebläse ihrer Hochöfen, entsteht wahrhaftig nur, weil wir dort alles fabrizieren, nur keine Menschen; wir bleichen Baumwolle und härten Stahl und läutern Zucker und formen Tonwaren; aber einen einzigen lebendigen Geist aufzuhellen, zu kräftigen, zu verfeinern und zu bilden, das fällt uns bei der Berechnung unserer Vorteile niemals ein.

John Ruskin (1819 – 1900)

Wir kommen weit her und müssen weit gehen

 

Foto: © wak

Wir kommen weit her, liebes Kind
und müssen weit gehen.

Keine Angst,
alle sind bei Dir, die vor Dir waren.
Deine Mutter, Dein Vater,
und alle, die vor ihnen waren,
weit weit zurück.

Alle sind bei Dir, keine Angst.
Wir kommen weit her
und müssen weit gehen, liebes Kind.

Heinrich Böll (1917 – 1985) – kurz vor seinem Tod

Zitiert wurde das Gedicht am Beginn des Filmes „Heinrich Böll, Ansichten eines Anarchisten“, der am 2. Dezember auf 3sat ausgestrahlt wurde.

Sehnsucht

Das ist die Sehnsucht: wohnen im Gewoge
und keine Heimat haben in der Zeit.
Und das sind Wünsche: leise Dialoge
täglicher Stunden mit der Ewigkeit.

Und das ist Leben. Bis aus einem Gestern
die einsamste Stunde steigt,
die, anders lächelnd als die andern Schwestern,
dem Ewigen entgegenschweigt.

Rainer Maria Rilke (1875 – 1926) in: Frühe Gedichte