Hannah Buchholz: Meine alte Angst

Meine alte Angst
erscheint, trumpft auf, verschwindet!
Dann kehrt sie zurück!

*

Sie kommt und sie geht –
wann und wie es ihr gefällt –
meine alte Angst!

*

Kommst oder gehst du?
frage ich sie. Mal sehen!
erwidert die Angst.

*

Unberechenbar
ist das Wesen meiner Angst.
Unberechenbar!

*

Mal groß, mal kleiner –
kommt und geht sie wieder –
meine alte Angst.

*

Geh doch dort hin,
wo der Pfeffer wächst! rufe ich
ihr zu, meiner Angst!

*

Hört sie mich denn nicht?
Nein! Schon ist sie verschwunden –
meine alte Angst!

Hannah Buchholz / 24.10.2018

 

Mehr wunderbare, tiefgehende, berührende Gedichte von ihr hier: https://hannahbuchholz.wordpress.com/

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Sinfonie der Sphären

Foto: © wak

Wenn du den Ton hören könntest, den die Sonnenblume erzeugt, während sie beständig ihren Kopf zur Sonne dreht – die Reibung zwischen der Blume und der Luft -, und wenn du den Ton hören könntest, den die kreisenden Planeten erzeugen, und wenn du den Ton hören könntest, den die Sterne erzeugen, dann würdest du die Sinfonie der Sphären hören, und du würdest erkennen, dass diese Sinfonie auf einer grundsätzlichen Harmonie basiert, der Harmonie der Sphären.

Proklos (412 – 485)

Gefunden habe ich dieses Zitat hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/04/30/buchtipp-vii-zukunft-mystik-roland-r-ropers/

Sich selbst kennen

Foto: © wak

Es ist die Aufgabe eines jeden Menschen,
sich selbst zu kennen
und das rechte Maß zu wissen.
Das rechte Maß zu wissen, ist die höchste Kunst.

Weisheit besteht in nichts als diesem:
Wahr reden, wahr handeln,
der Natur der Dinge folgen.

Wer den Logos nicht hört,
der höre auf mich:
Der Weise sieht ein,
dass alle Dinge eins sind.

Es gibt nur eine Weisheit:
Erkenne die Intelligenz,
die alle Dinge
mit allen Dingen
verwebt.

Heraklit (544 bis 483 v.u.Z.)

Wer Ohren hat zu hören: Hörspielkirche

Den Nachrichten im Norddeutschen Rundfunk entnahm ich gerade einen Hinweis auf die erste deutsche Hörspielkirche in Federow am Müritz-Nationalpark.

 

Hoerspielkirche

Ihre Geschichte ist auf der Homepage schnell erzählt:
Die bereits im 13. Jahrhundert gegründete Feldsteinkirche stand lange Zeit ungenutzt, bis eine außergewöhnliche Idee sie vor dem drohenden Verfall rettete und in eine Hörspielkirche verwandelte. Bis zum Sommer 2006 konnte mit Fördergeldern aus dem EU-Programm LEADER+ die dringende Sanierung der Feldsteinkirche abgeschlossen werden.
Doch nicht allein das Hören ist ein Genuss. Die neuen Fenster aus mundgeblasenem Glas tauchen den Innenraum der Kirche in ein warmes lebendiges Licht. Die Berliner Malerin Jana Franke kombinierte großzügige Farbflächen mit realistischen Natursymbolen wie Biene, Schmetterling und Schwalbe.
Von Juli bis September 2016 können Besucher wieder auf den schlichten Holzbänken Platz nehmen und zuhören. Das Programm entsteht in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsches Rundfunkarchiv und wird durch den NDR, weitere ARD-Rundfunkanstalten sowie durch zahlreiche Buch-, Musik-, Audio- und Theaterverlage unterstützt.

http://www.hoerspielkirche.de/

Und Federow ist mit diesem Engagement nicht allein:
Die zweite Hörspielkirche Deutschlands in Sipplingen am Bodensee wird im Sommer 2016 ihre 5. Hörspielsaison, die dritte Hörspielkirche Deutschlands Bad Sooden-Allendorf im Werratal wird im Sommer 2016 ihre 2. Hörspielsaison ausrichten.

Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit

Durch die jahrhundertlangen Gepflogenheiten des Handels mit Geschriebenem auf dem Markt der Meinungen und Schilderungen, dadurch, daß dem Schreibenden die Sorge um das Geschriebene abgenommen wurde, bekam der Schreibende den Eindruck, sein Kunde oder Besteller, der Mittelsmann gebe das Geschriebene an alle weiter. Er dachte: ich spreche, und die hören wollen, hören mich. In Wirklichkeit sprach er; und die zahlen konnten, hörten ihn. Sein Sprechen wurde nicht von allen gehört, und die es hörten, wollten nicht alles hören. Darüber ist viel, wenn auch noch zu wenig gesagt worden; ich will hier nur hervorheben, daß aus dem „Jemandem schreiben“ ein „schreiben“ geworden ist. Die Wahrheit aber kann man nicht eben schreiben; man muß sie durchaus  jemandem  schreiben, der damit etwas anfangen kann. Die Erkenntnis der Wahrheit ist ein den Schreibern und Lesern gemeinsamer Vorgang. Um Gutes zu sagen, muß man gut hören können und Gutes hören. Die Wahrheit muß mit Berechnung gesagt und mit Berechnung gehört werden. Und es ist für uns Schreibende wichtig, wem wir sie sagen und wer sie uns sagt.

Bertolt Brecht in: „Fünf Schwierigkeiten beim Schreiben der Wahrheit“

 

Den kompletten Text gibt es hier:

http://www.gleichsatz.de/b-u-t/spdk/brecht2.html

Fast hört man ihr Summen…

 

 

BieneinLorschBienenfest in Lorsch                                     Foto (c) wak

… auch wenn es anachronistsiche Züge hat, eine Biene auf Asphalt. Aber so leicht, so schwebend, wie es sie in Lorsch beim Bienenfest zu Hunderten gab, lässt ihrem Summen durchaus eine Chance-