Ich sah empor, und sah in allen Räumen Eines

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Ich sah empor, und sah in allen Räumen Eines;
Hinab ins Meer, und sah in allen Wellenschäumen Eines.

Ich sah in’s Herz, es war ein Meer, ein Raum der Welten,
Voll tausend Träum‘; ich sah in allen Träumen Eines.

Du bist das Erste, Letzte, Äußre, Innre, Ganze;
Es strahlt dein Licht in allen Farbensäumen Eines.

Du schaust von Ostens Grenze bis zur Grenz‘ im Westen,
Dir blüht das Laub an allen grünen Bäumen Eines.

Vier widerspenst’ge Thiere ziehn den Weltenwagen;
Du zügelst sie, sie sind an deinen Zäumen Eines.

Luft, Feuer, Erd‘ und Wasser sind in Eins geschmolzen
In deiner Furcht, daß dir nicht wagt zu bäumen Eines.

Der Herzen alles Lebens zwischen Erd‘ und Himmel,
Anbetung dir zu schlagen soll nicht säumen Eines!

Mevlana Dschelaleddin Rumi (1207-1273) / Übersetzung von Friedrich Rückert 1819)

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Harte Herzen

In weiten Kreisen des Bürgertums wie des Adels sind die Herzen hart und gepanzert wie die Geldschränke, und selbst mancher, der als sozialer Erwecker oder als Vorbild zu gelten vermag, versagt, wenn es auf die persönliche Bewährung ankommt.
Hingegen der vom Geldgeist nicht besessene einfache Mensch (der nicht etwa mit dem heutigen Proletarier gleichzusetzen ist), hat gerade hierfür sehr helle Augen und unterscheidet scharf die wahre von der falschen Humanität und Nächstenliebe.

Paul Jostock (1895 – 1965) in dem Buch „Der deutsche Katholizismus und die Überwindung des Kapitalismus. Regensburg, o.J. (Das Vorwort stammt vom September 1932)

Mehr über Jostock hier:
http://www.bbkl.de/j/jostock_p.shtml