Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen

Text inder Ausstellung „Der Berg ruft“ im Oberhausener Gasometer  Foto: © wak

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Mystikos – ein Versuch

Gottes Natur
sein Wesen
und seine Gottheit
hängt daran,
dass er in der Seele
wirken muss.
Meister Eckhart, Von unsagbaren Dingen

 

Foto: © wak

mystikos:
verborgen und geheimnisvoll
und auch
undurchschaubar und unerklärbar.

Sich
und sein Selbst
verschließen.
Nicht nur die Augen.

myein ist mein ganzes Herz.

Hinein
in den Hortus Conclusus
in den verschlossenen Garten.
Leben lernen
aus der Quelle schöpfen
um den Brunnen überfliessen zu lassen.

Und dann:
Hinaus
mitten in diese Welt,
die sie braucht
die misericordia,
die Barmherzigkeit

die nicht gelingen kann
ohne zuvor
sich und sein Selbst
zu verschließen.

w.a.k.

Dieser Text ist zuerst hier erschienen: https://hannahbuchholz.wordpress.com/2015/01/08/mystikos-versuch-von-wak/

 

Du bist die Sternenschrift am Himmel dort

Foto: © wak

Du bist der Schreiber und die Schrift bist du,
Tint‘ und Papier und Schreibestift bist du.

Du bist die Sternenschrift am Himmel dort,
Im Herzen hier die Liebeschrift bist du.

Das Blatt, das treibt, das ausgetriebne Lamm,
Der Trieb, der Treiber und die Trift bist du.

Du bist die Ruh‘, die Unruh bist du auch,
Das Gift und auch das Gegengift bist du.

Du Ebb‘ und Flut, Windstill‘ und Sturm und Meer;
Schiffbruch und Schiff, und der drin schifft, bist du.

Was kann ich treffen? was kann treffen mich?
Was trifft der Sinn, und was ihn trifft, bist du.

Mevlana Dschelaleddin Rumi (1207-1273) in der Übersetzung von Friedrich Rückert | 1819

Die Welt wird schöner mit jedem Tag

Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste, Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.

„Frühlingsglaube“ (1812) von Ludwig Uhland (1787 – 1862)

http://gutenberg.spiegel.de/buch/ludwig-uhland-gedichte-5084/41