Wir kommen weit her liebes Kind und müssen weit gehen…

Screenshot der Sendungsankündigung

Wir kommen weit her, liebes Kind
und müssen weit gehen.

Keine Angst,
alle sind bei Dir, die vor Dir waren.
Deine Mutter, Dein Vater,
und alle, die vor ihnen waren,
weit weit zurück.

Alle sind bei Dir, keine Angst.
Wir kommen weit her
und müssen weit gehen, liebes Kind.

Heinrich Böll (1917 – 1985) – kurz vor seinem Tod

Zitat aus der Sendung: Heinrich Böll – Ansichten eines Anarchisten. In der Ankündigung auf 3sat heißt es: Heinrich Böll gehörte zu den großen, wichtigen Stimmen des 20ten Jahrhunderts, sei es als Schriftsteller, sei es als moralische Instanz und Mahner. Was hat uns Heinrich Böll heute noch zu sagen? 

https://www.3sat.de/ansichten-eines-anarchisten-boell-100.html

Wir kommen weit her und müssen weit gehen

 

Foto: © wak

Wir kommen weit her, liebes Kind
und müssen weit gehen.

Keine Angst,
alle sind bei Dir, die vor Dir waren.
Deine Mutter, Dein Vater,
und alle, die vor ihnen waren,
weit weit zurück.

Alle sind bei Dir, keine Angst.
Wir kommen weit her
und müssen weit gehen, liebes Kind.

Heinrich Böll (1917 – 1985) – kurz vor seinem Tod

Zitiert wurde das Gedicht am Beginn des Filmes „Heinrich Böll, Ansichten eines Anarchisten“, der am 2. Dezember auf 3sat ausgestrahlt wurde.

Heinrich Böll und die Katholische Kirche…

Ein weites Feld, könnte man sagen, wenn es um das Verhältnis von Heinrich Böll zur katholischen Kirche geht. Zwischenzeitlich bezeichnete er sich als LiKaKi, als Linkskatholischer Kirchgänger. Aber gespannt war diese Beziehung wohl immer.

Ein Ausdruck davon war der Beitrag den Heinrich Böll, der dieses Jahr 100 geworden wäre, für die Festschrift des Jesuiten Karl Rahner geschrieben hatte. Im August 1973 schickte er den Text an die Herausgeber, doch in der Festschrift erschien der Artikel nicht. Nachgefragt antwortete mir Heinrich Böll mit diesem Brief:

boell080575

Gemunkelt wurden Sorgen des Verlages, dass ihm Druckaufträge verloren gingen. Der Beitrag erschien dann später doch noch in der Zeitschrift Publik Forum 4(1975), Nr. 12, S. 3 – 5.

Heinrich Böll wäre 100 geworden

100-j-boell_-_webScreenshot Heinrich-Böll-Stiftung

 

An den Autoren Heinrich Böll erinnert die Heinrich-Böll-Stiftung auf ihrer Webpräsentation. Da heißt es unter anderem:

Am 21. Dezember 2017 ist Heinrich Bölls hundertster Geburtstag. Seit seinem Tod im Jahre 1985 hat es in Deutschland keinen vergleichbaren öffentlichen Intellektuellen mehr gegeben: Böll legte sich mit der politischen Linken wie der Rechten an, mit der katholischen Kirche ebenso wie mit der Presse. Er setzte sich für Flüchtlinge aus Vietnam ein und für Dissidenten in Osteuropa. Er war Humanist, aber kein Moralist, und überzeugt, dass „Sprache, Liebe, Gebundenheit den Menschen zum Menschen machen“.

An sein Engagement und sein Werk will die Stiftung, die seinen Namen trägt, in den kommenden Monaten erinnern. Es wird sich zeigen: ein Künstler und Intellektueller, der aktueller ist, als mancher glauben mag.

 

Die Stiftung und Heinrich Böll findet sich hier: https://www.boell.de/100jahreboell

Mehr zu Heinrich Böll auch hier: http://www.boell100.com/

Neu entdecken mit alten Fotos

Chargesheimer_Ruhrgebiet

 

In den zumeist mehr als nichtssagenden Wahlplakaten, die in den letzten Wochen in den Städten des Ruhrgebiets zu sehen waren, ging dieses Plakat leider häufig unter: Der Hinweis auf die Chargesheimer-Ausstellung auf Zollverein im RuhrMuseum. Dabei lohnt es doch so sehr, das Ruhrgebiet auf alten Fotos neu zu entdecken.

In der Pressemitteilung heißt es:

„‚Das Ruhrgebiet ist noch nicht entdeckt worden‘, so lauten die ersten Worte des Einleitungstextes von Heinrich Böll zu dem Bildband „Im Ruhrgebiet“, den er zusammen mit dem Fotografen Chargesheimer im Jahre 1958 publizierte. Als Heinrich Böll und der Fotograf Chargesheimer 1957 durch das Ruhrgebiet reisten, der eine mit der Feder, der andere mit der Kamera, hatte das industrielle Ruhrgebiet gerade seinen Höhepunkt erreicht.

120 Millionen Tonnen – nie zuvor und nie wieder wurde im Ruhrgebiet so viel Kohle gefördert wie in diesem Jahr. Das Ruhrgebiet Ende der 50er Jahre, ein industrieller Ballungsraum, der völlig von Kohle und Stahl geprägt war: Zerstörung der Landschaft, Gesichtslosigkeit der Städte, Dominanz der schweren Männerarbeit.

 

Boell_Menschen

Texttafel in der Ausstellung

 

Böll und Chargesheimer konnten nicht ahnen, dass jenes Jahr 1957 zum Wendepunkt des Ruhrgebiets werden sollte, dass der Beginn der Kohlekrise und damit der Strukturwandel kurz bevor stand, dennoch klingt das neue Ruhrgebiet in ihrem Werk schon an. Es sind die Freizeit und die Unterhaltung, der moderne Konsum und der beginnende Autoverkehr, vor allem aber die Menschen in der alltäglichen Umgebung, ihrer zur „Heimat“ gewordenen Industrieregion, die sich zwischen die Bilder des alten Ruhrgebiets schieben.

Die Fotografien von Chargesheimer stehen am Anfang der Bildtradition zum Ruhrgebiet im Strukturwandel und haben eine ganze Schule von Bildreportagen und Fotoprojekten zum Ruhrgebiet inspiriert. Seine Ruhrgebietsfotografien sind noch nie in Gänze, sondern nur in einer Auswahl in der Chargesheimer-Retrospektive im Museum Ludwig 2007/08 gezeigt worden.“

http://www.ruhrmuseum.de/sonderausstellungen/aktuell/sonderausstellung-detail/newsdetail/chargesheimer-die-entdeckung-des-ruhrgebiets///2013/04/15/

Karl-Heinz Hargesheimer / Künstlername Chargesheimer (* 19. Mai 1924 in Köln; † 31. Dezember 1971 oder 1. Januar 1972 ebenda)

Heinrich Böll (* 21. Dezember 1917 in Köln; † 16. Juli 1985 in Kreuzau-Langenbroich)

Heinrich Böll in Weimar

Das Plakat machte mich aufmerksam: Heinrich Böll-Tage in Weimar. Der Kölner im Osten der Republik. Der – nach eigenen Worten – Linkskatholische Kirchgänger – in einer ganz anders sozialisierten Region.

http://www.boell.de/calendar/VA-viewevt-de.aspx?evtid=10796

Veranstalter ist die grüne „Heinrich-Böll-Stiftung“, Kooperationspartner sind Stadt Weimar, KulturBahnof Weimar, Stadtbücherei Weimar, Literarische Gesellschaft Thüringen e.V., Lese-Zeichen e.V., Kino mon ami, DAS Jugendtheater e.V. im stellwerk, ACC Galerie.

Sieht man sich das Programm genauer an, wird auf Irland abgehoben, auf die Freundschaft mit Lew Kopelew, auf öffentlichen Ruhm und virtuellen Pranger, die Frage gestellt, was von seinem Werk geblieben ist.

Ich selbst erinnerte allerdings auch den anderen Heinrich Böll, der sich an der römisch-katholischen Kirche gerieben hat und mehr:

https://wernerkrebber.wordpress.com/2009/03/07/der-brief-von-heinrich-boll/

Zensur wäre da wahrscheinlich ein treffendes Wort gewesen. Aber da gleichen sich die Erfahrungen von „hüben“ und „drüben“ ja dann vielleicht wieder.