Hannah Buchholz: Meine alte Angst

Meine alte Angst
erscheint, trumpft auf, verschwindet!
Dann kehrt sie zurück!

*

Sie kommt und sie geht –
wann und wie es ihr gefällt –
meine alte Angst!

*

Kommst oder gehst du?
frage ich sie. Mal sehen!
erwidert die Angst.

*

Unberechenbar
ist das Wesen meiner Angst.
Unberechenbar!

*

Mal groß, mal kleiner –
kommt und geht sie wieder –
meine alte Angst.

*

Geh doch dort hin,
wo der Pfeffer wächst! rufe ich
ihr zu, meiner Angst!

*

Hört sie mich denn nicht?
Nein! Schon ist sie verschwunden –
meine alte Angst!

Hannah Buchholz / 24.10.2018

 

Mehr wunderbare, tiefgehende, berührende Gedichte von ihr hier: https://hannahbuchholz.wordpress.com/

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Frieden für eine unruhige Welt

 

Foto: © wak

 

Letztendlich haben wir nur eine moralische Pflicht: große Räume des Friedens
in uns zu schaffen, wachsende Zufriedenheit und diese auf andere auszustrahlen.
Je größer der Friede in uns sein wird, desto friedvoller wird unsere unruhige Welt werden.

Etty Hillesum (1914 – 1943)

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen

Foto: © wak

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen,
die sich über die Dinge ziehn.
Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen,
aber versuchen will ich ihn.

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm,
und ich kreise jahrtausendelang;
und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm
oder ein großer Gesang.

Rainer Maria Rilke, 20.9.1899, Berlin-Schmargendorf

Lebendigen Geist aufhellen

Foto: © wak

Der große Schrei, der sich aus allen unseren Fabrikstädten erhebt, lauter als das Gebläse ihrer Hochöfen, entsteht wahrhaftig nur, weil wir dort alles fabrizieren, nur keine Menschen; wir bleichen Baumwolle und härten Stahl und läutern Zucker und formen Tonwaren; aber einen einzigen lebendigen Geist aufzuhellen, zu kräftigen, zu verfeinern und zu bilden, das fällt uns bei der Berechnung unserer Vorteile niemals ein.

John Ruskin (1819 – 1900)