Nichts in der Stimme der Zikade…

Dieses Haiku von Matsuo Basho regte Takashi Bernhöft u.a. zu seiner Komposition „NowPast“ an, die heute im Gelsenkircher Musiktheater unter Rasmus Baumann uraufgeführt wurde. Bernhöft selbst spielte Violine, Tony Clark  mit seinem Shakuhachi. Es war einfach grandios, dieses Klangerlebnis zu erfahren.

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„Vielleicht kommt noch einer auf die ldee: Die haben wir vergessen zu holen.“

Opfern des Holocaust fällt es schwer, über das Erlebte zu berichten

In Paris wurde jetzt eine Frau ermordet, die den Holocaust überlebt hatte. Vermutet wird ein antisemitischer Hintergrund. Das ließ mich an jenes Interview mit Anna Otto denken, das ich vor über 20 Jahren geführt habe:

Nachdenkliche Gedanken einer fast 100-jährigen, die vom Judentum zum Christentum konvertierte und das Konzentrationslager Theresienstadt überlebte. Doch auch nach 1945 wurde ihr das Leben nicht leicht gemacht.

Anna O. habe ich im Mai 1996 in Gelsenkirchen getroffen. Seit meiner frühen Kindheit kenne ich sie und ihren inzwischen verstorbenen Mann.

Viele Jahre lebt sie im Ruhrgebiet, hat sie hier ein Zuhause gefunden – aber keine „Heimat“ im umfassenderen Sinn. Seit ihrer heiratsbedingten Konversion vom Judentum zum Katholizismus ist sie auf einer ständigen Gratwanderung. Zwischen Anpassung und Verleugnung einerseits, zwischen Ausgrenzung und Unverständnis andererseits. So jedenfalls erlebe ich ihre Situation. Und sie bestätigt mir das. „Heute weiß ich mehr vom Judentum als früher. Ich hatte ja gar keine Wurzeln darin. Das ist sehr schwierig.“ Und sie beklagt: „Mit wem hätte ich denn auch darüber sprechen sollen?“ Auch ich wusste lange nichts von ihrer jüdischen Herkunft. Zum ersten Mal überhaupt hat sie sich bei unserem Gespräch im Mai 1996 mir gegenüber zu ihrer Lebensgeschichte geäußert. Und so wie ihr geht es vielen Überlebenden des Holocaust, die sich selbst noch schuldig daran fühlen, überlebt zu haben.

Einer Veröffentlichung dieses Gespräches zu ihren Lebzeiten, die ursprünglich im Zusammenhang mit einer Tagung mit den Problemen und Schwierigkeiten der sogenannten „Judenchristen“ geplant war, stimmte Anna O. nach der Autorisierung des nachfolgenden Textes nicht mehr zu. Ihre Sorge ist allzu verständlich: „Vielleicht kommt noch einer auf die ldee: Die haben wir vergessen zu holen.“ …

 

Das ganze Interview findet sich hier: https://wernerkrebber.wordpress.com/2016/12/16/anna-o-die-wollten-gar-nicht-dass-wir-da-ankamen/

Schlechte Wetter

Fotos: © wak

In den 1950er Jahren hatte die Zeche verstärkt mit Schlagwettergefährdung zu kämpfen. Am 20. Mai 1950 ereignete sich eine schwere Schlagwetterexplosion im Westfeld (Schacht 6, 7. Sohle) mit 78 Toten. Sechs Überlebende kamen mit schweren Verbrennungen, teilweise dritten Grades, in das damalige Knappschaftskrankenhaus in Gelsenkirchen-Ückendorf. Der am schwersten Verletzte war Heinz Otto Engelhardt (1923–1997), er wurde vom damaligen Arbeitsminister besucht. Die zentrale Trauerfeier fand auf dem Zechenplatz vor dem Unglücksschacht 6 statt, Bundespräsident Theodor Heuss hielt die Trauerrede, anschließend begleitete er den langen Trauerzug durch die von Menschen dichtgesäumten Straßen von Gelsenkirchen-Rotthausen zum Friedhof. Das damals angelegte Gemeinschaftsgrab mit einem großen Bronzedenkmal aus vier überlebensgroßen Knappen an einer Grabplatte ist noch vorhanden. Der Vorfall hatte ein parlamentarisches Nachspiel; 1950 befasste sich ein Untersuchungsausschuss im Deutschen Bundestag mit dem Grubenunglück.

Auszug aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Zeche_Dahlbusch