Kehre ein zu dir selbst und sieh dich an

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Kehre ein zu dir selbst und sieh dich an. Und wenn du siehst, dass du noch nicht schön bist, so mache es wie der Bildhauer, der von einer Statue, die schön werden soll, hier etwas fortmeißelt, dort etwas glättet und da etwas reinigt, bis er der Statue ein schönes Gesicht gegeben hat. So mach’ du es auch: Nimm weg, was unnütz, richte gerade, was krumm ist, reinige, was dunkel ist und mache es hell. Lass nicht ab, an deiner eigenen Statue zu wirken, bis dir der göttliche Glanz der Tugend aufleuchtet und du sie auf ihrem heiligen Sockel stehend erblickst. Und wenn du soweit gekommen bist, dann hemmt dich nichts mehr, dann bist du ganz du selbst und ganz und gar reines, wahres Licht. Du bist eins mit dem Schauen, gewinnst Zutrauen zu dir, bist so hoch gestiegen, dass du keine Weisung mehr brauchst.

Plotin (204 – 270) in den „Enneaden“

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Überfluss an Wasser

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Wenn man den Überfluss an Wasser in der Öffentlichkeit, in Bädern, Fischteichen, Kanälen, Häusern, Gärten und Landgütern nahe bei der Stadt, die Wege, die das Wasser durchläuft, die errichteten Bogenstrecken, die durchgrabenen Berge und eingeebneten Täler sich genau vergegenwärtigt, wird man gestehen müssen, dass es auf der ganzen Erde nie etwas Bewundernswerteres gegeben hat.

Plinius der Ältere (ca. 23 – 79) – Ist also schon sehr lange her

Friedrich Hölderlin: Im Walde

https://www.nootheater.de/performances-melancholie-huetten.html (Klick auf den Play-Button der Original-Seite startet die Rezitation)

Aber in Hütten wohnet der Mensch, und hüllet
sich ein ins verschämte Gewand, denn inniger
ist achtsamer auch und daß er bewahre den Geist,
wie die Priesterin die himmlische Flamme,
dies ist sein Verstand.
Und darum ist die Willkür ihm und höhere Macht
zu fehlen und zu vollbringen dem Götterähnlichen,
der Güter gefährlichstes, die Sprache dem Menschen
gegeben, damit er schaffend, zerstörend, und
untergehend, und wiederkehrend zur ewiglebenden,
zur Meisterin und Mutter, damit er zeuge, was
er sei geerbet zu haben, gelernt von ihr, ihr
Göttlichstes, die allerhaltende Liebe.

Friedrich Hölderlin (1770 – 1843)

Die Zeit für Seelenheiterkeit verwenden

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Erinnere dich, seit wie lange du die Ausführung verschiebst und wie o dir die Götter günstige Gelegenheit gegeben haben, die du unbenutzt gelassen. Du solltest es doch einmal empfinden, von welcher Welt du ein Teil bist und von welchem Herrn der Welt dein Dasein seinen Ursprung hat, daß die Zeit für dich schon abgegrenzt ist; und wenn du sie nicht auf die Seelenheiterkeit verwendest, so schwindet sie dahin, und du schwindest selbst dahin, und sie kehrt nie zurück.

Marc Aurel (121 – 180), Selbstbetrachtungen, 2. Buch, Nr. 4

Die Zeit auf die Seelenheiterkeit verwenden

 

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Erinnere dich, seit wie lange du die Ausführung verschiebst und wie oft dir die Götter günstige Gelegenheit gegeben haben, die du unbenutzt gelassen. Du solltest es doch einmal empfinden, von welcher Welt du ein Teil bist und von welchem Herrn der Welt dein Dasein seinen Ursprung hat, daß die Zeit für dich schon abgegrenzt ist; und wenn du sie nicht auf die Seelenheiterkeit verwendest, so schwindet sie dahin, und du schwindest selbst dahin, und sie kehrt nie zurück.

Marc Aurel (121 – 180) in: Selbstbetrachtungen. Zweites Buch, 4, Stuttgart, o.J., S. 25

Nun endlich mal mit dem Christentum beginnen

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… In einem Schrank, der von Ihnen ausgestellt ist, sind unter anderem Zeitungsstapel drin die mit einem roten Kreuz bepinselt sind, und das findest sich auch an anderen Gegenständen. Was soll das bedeuten?

Hier auch! Das heißt, dass es nur eine Möglichkeit gibt: Das Christentum zu verwirklichen. Nun endlich mal mit dem Christentum zu beginnen. In etwa. Christentum hat’s noch nie gegeben, soll das bedeuten.

Und das, was wir meinen als direkte Demokratie – die also den Bedarf des Menschen nach seiner Freiheit, nach seiner Gleichheit, nach seiner Brüderlichkeit erfüllen will, das meinen wir als Anfang des Christentums.

Sie halten das Christentum für eine Möglichkeit?

Die einzige Möglichkeit. Ja.

 

 

Joseph Beuys: Jeder Mensch ist ein Künstler. Gespräche auf der „documenta 5“ 1972, aufgezeichnet von Clara Bodenmann-Ritter. Frankfurt/M, Berlin, Wien, 1975, S. 70

 

Es nehmen lernen ohne allzuviel fallen zu lassen

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Und nun wollen wir glauben an ein langes Jahr, das uns gegeben ist, neu, unberührt, voll nie gewesener Dinge, voll nie getaner Arbeit, voll Aufgabe, Anspruch und Zumutung; und wollen sehen, daß wirs nehmen lernen, ohne allzuviel fallen zu lassen von dem, was es zu vergeben hat, an die, die Notwendiges, Ernstes und Großes von ihm verlangen.

Rainer Maria Rilke (1875–1926) schrieb dies in einem Brief an seine Frau Clara am 1. Januar 1907