Ich sah empor, und sah in allen Räumen Eines

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Ich sah empor, und sah in allen Räumen Eines;
Hinab ins Meer, und sah in allen Wellenschäumen Eines.

Ich sah in’s Herz, es war ein Meer, ein Raum der Welten,
Voll tausend Träum‘; ich sah in allen Träumen Eines.

Du bist das Erste, Letzte, Äußre, Innre, Ganze;
Es strahlt dein Licht in allen Farbensäumen Eines.

Du schaust von Ostens Grenze bis zur Grenz‘ im Westen,
Dir blüht das Laub an allen grünen Bäumen Eines.

Vier widerspenst’ge Thiere ziehn den Weltenwagen;
Du zügelst sie, sie sind an deinen Zäumen Eines.

Luft, Feuer, Erd‘ und Wasser sind in Eins geschmolzen
In deiner Furcht, daß dir nicht wagt zu bäumen Eines.

Der Herzen alles Lebens zwischen Erd‘ und Himmel,
Anbetung dir zu schlagen soll nicht säumen Eines!

Mevlana Dschelaleddin Rumi (1207-1273) / Übersetzung von Friedrich Rückert 1819)

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Das Haus der Welt für dich gemacht

Foto: © wak

Siehst du nicht,
dass dieses ganze Haus der Welt
für dich gemacht ist?

Das Licht geht in dich ein
und vertreibt die Finsternis, die dich umgibt.
Für dein Wohl wurde die Nacht eingeführt,
für dich der Tag abgemessen.
Für dich wurde der Himmel mit den vielfältigen Strahlen
von Sonne, Mond und Sternen erhellt,
für dich die Erde mit Blumen, Baumpflanzungen und Früchten ausgemalt.
Für dich wurde in der Luft, auf dem Felde und im Wasser
lückenlos die wunderbare Menge der Lebewesen geschaffen,
damit keine traurige Einsamkeit
die Freude an der neugeschaffenen Welt zerstört.

Petrus Chrysologus (*um 380 – 451)

Nobel á la Konfuzius

Konfuzius (551 v. Chr. bis 479 v. Chr.) ist tot. Er kann noch gelesen werden, sich aber nicht mehr gegen unlautere Vereinnahmungen wehren. Denn worum ging es Konfuzius? „Das zentrale Thema seiner Lehren war die menschliche Ordnung, die seiner Meinung nach durch Achtung vor anderen Menschen und Ahnenverehrung erreichbar sei. Als Ideal galt Konfuzius der „Edle“, ein moralisch einwandfreier Mensch. Edel kann der Mensch dann sein, wenn er sich in Harmonie mit dem Weltganzen befindet: ‚Den Angelpunkt zu finden, der unser sittliches Wesen mit der allumfassenden Ordnung, der zentralen Harmonie vereint‘, sah Konfuzius als das höchste menschliche Ziel an. ‚Harmonie und Mitte, Gleichmut und Gleichgewicht‘ galten ihm als erstrebenswert. Den Weg hierzu sah Konfuzius vor allem in der Bildung.“ So ist es in der „Wikipedia“ nachzulesen. Wenn nun China hergeht und gegen die Verleihung des Nobel-Preises an den Dissidenten Liu Xiaobo protestiert, alle möglichen Staaten unter Druck setzt, dass sie die Verleihung boykottieren und darauf noch alternativ die Verleihung des „Konfuzius-Preises“ setzt, wirkt das zynisch. Und die Diskrepanz wird überdeutlich: Mit Konfuzius hat das nicht wirklich zu tun.