Aufsteigt der Strahl und fallend gießt…

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Der römische Brunnen

Aufsteigt der Strahl und fallend gießt
Er voll der Marmorschale Rund,
Die, sich verschleiernd, überfließt
In einer zweiten Schale Grund;
Die zweite gibt, sie wird zu reich,
Der dritten wallend ihre Flut,
Und jede nimmt und gibt zugleich
Und strömt und ruht.

Conrad Ferdinand Meyer (1825 – 1898)

 

 

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Du bist die Sternenschrift am Himmel dort

Foto: © wak

Du bist der Schreiber und die Schrift bist du,
Tint‘ und Papier und Schreibestift bist du.

Du bist die Sternenschrift am Himmel dort,
Im Herzen hier die Liebeschrift bist du.

Das Blatt, das treibt, das ausgetriebne Lamm,
Der Trieb, der Treiber und die Trift bist du.

Du bist die Ruh‘, die Unruh bist du auch,
Das Gift und auch das Gegengift bist du.

Du Ebb‘ und Flut, Windstill‘ und Sturm und Meer;
Schiffbruch und Schiff, und der drin schifft, bist du.

Was kann ich treffen? was kann treffen mich?
Was trifft der Sinn, und was ihn trifft, bist du.

Mevlana Dschelaleddin Rumi (1207-1273) in der Übersetzung von Friedrich Rückert | 1819