Sich selbst vergessen

Text inder Ausstellung „Der Berg ruft“ im Oberhausener Gasometer  Foto: © wak

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Mystikos – ein Versuch

Gottes Natur
sein Wesen
und seine Gottheit
hängt daran,
dass er in der Seele
wirken muss.
Meister Eckhart, Von unsagbaren Dingen

 

Foto: © wak

mystikos:
verborgen und geheimnisvoll
und auch
undurchschaubar und unerklärbar.

Sich
und sein Selbst
verschließen.
Nicht nur die Augen.

myein ist mein ganzes Herz.

Hinein
in den Hortus Conclusus
in den verschlossenen Garten.
Leben lernen
aus der Quelle schöpfen
um den Brunnen überfliessen zu lassen.

Und dann:
Hinaus
mitten in diese Welt,
die sie braucht
die misericordia,
die Barmherzigkeit

die nicht gelingen kann
ohne zuvor
sich und sein Selbst
zu verschließen.

w.a.k.

Dieser Text ist zuerst hier erschienen: https://hannahbuchholz.wordpress.com/2015/01/08/mystikos-versuch-von-wak/

 

Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt

Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt;
der Feuer sieht, und weiß nicht, wo es brennt;
vor dem die Welt in fremde Sonnen rennt.

Ich bin ein Träumer, den ein Lichtschein narrt;
der in dem Sonnenstrahl nach Golde scharrt;
der das Erwachen flieht, auf das er harrt.

Ich bin ein Stern, der seinen Gott erhellt;
der seinen Glanz in dunkle Seelen stellt;
der einst in fahle Ewigkeiten fällt.

Ich bin ein Wasser, das nie mündend fließt;
das tauentströmt in Wolken sich ergießt;
das küßt und fortschwemmt, – weint und froh genießt.

Wo ist, der meines Wesens Namen nennt?
Der meine Welt von meiner Sehnsucht trennt?
Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt.

Erich Mühsam (1878 – 1934)

Fließen, zerfließen

amflussimfluss

 

Am Fluss,
am Strom,
der Dom.

Er fließt nicht,
er zerfließt.

Nicht zu halten
sind die
Wellen der Zeit
die wegschwemmen
was nicht mehr
ins Bild passt.

Änderung,
Veränderung
ist dran.

Nicht halten,
nicht festhalten.

w.a.k.

 

 

Septembermorgen

Im Nebel ruhet noch die Welt,
Noch träumen Wald und Wiesen:
Bald siehst du, wenn der Schleier fällt,
Den blauen Himmel unverstellt,
Herbstkräftig die gedämpfte Welt
In warmem Golde fließen.

Eduard Mörike (1804 – 1875)