Ich sah empor, und sah in allen Räumen Eines

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Ich sah empor, und sah in allen Räumen Eines;
Hinab ins Meer, und sah in allen Wellenschäumen Eines.

Ich sah in’s Herz, es war ein Meer, ein Raum der Welten,
Voll tausend Träum‘; ich sah in allen Träumen Eines.

Du bist das Erste, Letzte, Äußre, Innre, Ganze;
Es strahlt dein Licht in allen Farbensäumen Eines.

Du schaust von Ostens Grenze bis zur Grenz‘ im Westen,
Dir blüht das Laub an allen grünen Bäumen Eines.

Vier widerspenst’ge Thiere ziehn den Weltenwagen;
Du zügelst sie, sie sind an deinen Zäumen Eines.

Luft, Feuer, Erd‘ und Wasser sind in Eins geschmolzen
In deiner Furcht, daß dir nicht wagt zu bäumen Eines.

Der Herzen alles Lebens zwischen Erd‘ und Himmel,
Anbetung dir zu schlagen soll nicht säumen Eines!

Mevlana Dschelaleddin Rumi (1207-1273) / Übersetzung von Friedrich Rückert 1819)

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Wahrheit

Man kann die Wahrheit
nicht ins Feuer werfen –
sie ist das Feuer.

Friedrich Dürrenmatt (1921 – 1990)

Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt

Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt;
der Feuer sieht, und weiß nicht, wo es brennt;
vor dem die Welt in fremde Sonnen rennt.

Ich bin ein Träumer, den ein Lichtschein narrt;
der in dem Sonnenstrahl nach Golde scharrt;
der das Erwachen flieht, auf das er harrt.

Ich bin ein Stern, der seinen Gott erhellt;
der seinen Glanz in dunkle Seelen stellt;
der einst in fahle Ewigkeiten fällt.

Ich bin ein Wasser, das nie mündend fließt;
das tauentströmt in Wolken sich ergießt;
das küßt und fortschwemmt, – weint und froh genießt.

Wo ist, der meines Wesens Namen nennt?
Der meine Welt von meiner Sehnsucht trennt?
Ich bin ein Pilger, der sein Ziel nicht kennt.

Erich Mühsam (1878 – 1934)

Wie Feuer und Wasser

CuSNeuauflage von 1901 der Kontroverse      Repro © wak

Nicht Sozialismus und Christentum
sondern Kapitalismus und Christentum
stehen einander gegenüber
wie Feuer und Wasser.
Wilhelm Hohoff (1848 – 1923)
1873 begann eine Kontroverse über das Verhältnis von Christentum und Sozialismus zwischen Hohoff und August Bebel, dem Mitbegründer der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Bebel hielt Hohoff unter anderem vor, dass sich Christentum und Sozialismus gegenüberstehen wie Feuer und Wasser.
Aktuell daran denken musste ich, als ich jetzt das Geschenk des bolivianischen  Präsidenten Morales an Papst Franziskus sah. Eine Jesus-Figur auf einem Holz in Form von Hammer und Sichel. Das Geschenk sollte unter anderem an den Jesuiten Luis Espinal erinnern, der sich für einen christlich-marxistischen Dialog mit Arbeitern und Bauern eingesetzt hatte und ermordet wurde.
Mehr dazu hier:

Madonna: Welt-Tournee zum „Opus Dei“

Liegt es an meinen Augen? Ich weiß es nicht. Gefragt habe ich mich das allerdings schon, als ich gelesen habe, dass sich der Popstar Madonna jetzt zum „Opus Dei“ hinwenden soll, nachdem ihre letzte spirituelle Station Kabballah war.  Madonna und „Opus Dei“. Ist das nicht wie Feuer und Wasser?

„Opus Dei“ – da war doch was. Mehr hier:

http://www.scribd.com/doc/100258/Opus-Dei-ein-Mythos-wird-gehegt

Nein, Mitglied sei sie noch nicht, heißt es. Aber sie habe Gespräche mit Priestern des Gotteswerkes geführt. Und gefragt wird in Meldungen, was es Madonna nützt.

Die Frage wird erst in die andere Richtung interessant: Was nützt es dem „Opus Dei“?

Siehe auch:  Werner Krebber, „Ich bin der Weg…“ – Notizen zur säkularen Spiritualität des Opus Dei. In: Anton Zottl (Hrsg.): Welt-Frömmigkeit. Grundlagen – Traditionen – Zeugnisse. Eichstätt/Wien 1985, S. 167 – 181