Eine Menge Menschen aber noch viel mehr Gesichter

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Es giebt eine Menge Menschen, aber noch viel mehr Gesichter, denn jeder hat mehrere. Da sind Leute, die tragen ein Gesicht jahrelang, natürlich nutzt es sich ab, es wird schmutzig, es bricht in den Falten, es weitet sich aus wie Handschuhe, die man auf der Reise getragen hat. Das sind sparsame, einfache Leute; sie wechseln es nicht, sie lassen es nicht einmal reinigen. Es sei gut genug, behaupten sie, und wer kann ihnen das Gegenteil nachweisen? Nun fragt es sich freilich, da sie mehrere Gesichter haben, was tun sie mit den andern? Sie heben sie auf. Ihre Kinder sollen sie tragen. Aber es kommt auch vor, daß ihre Hunde damit ausgehen. Weshalb auch nicht? Gesicht ist Gesicht.

Rainer Maria Rilke (1875- 1926) in „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“, Kapitel 5

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Der Tweet ist die Massage

Der Papst twittert, ist zu lesen. Oder auch: Benedikt XVI. lässt twittern. „Form ist Leere, Leere ist Form“, denkt man da herzsutraartig. Aber auch an Marshall McLuhan und sein Buch „Das Medium ist Massage“. Wie es dazu kam, ist auf der Homepage des Klett-Cotta-Verlages nachzulesen:

„Ursprünglich 1967 erschienen wirkt »The Medium is the Massage« heute noch jung und provozierend. Der Titel geht auf einen Druckfehler zurück: Ein Setzer hatte aus dem beabsichtigten »Message« das Wort »Massage« gemacht. McLuhan fand das großartig. Denn sein berühmter Slogan »Das Medium ist die Botschaft« war ein Klischee geworden. Jetzt bot sich die Gelegenheit, ihn ironisch zu brechen und mit neuem Sinn zu versehen.“

http://www.klett-cotta.de/buch/Tropen-Sachbuch/Das_Medium_ist_die_Massage/15902