Hannah Buchholz: Meine alte Angst

Meine alte Angst
erscheint, trumpft auf, verschwindet!
Dann kehrt sie zurück!

*

Sie kommt und sie geht –
wann und wie es ihr gefällt –
meine alte Angst!

*

Kommst oder gehst du?
frage ich sie. Mal sehen!
erwidert die Angst.

*

Unberechenbar
ist das Wesen meiner Angst.
Unberechenbar!

*

Mal groß, mal kleiner –
kommt und geht sie wieder –
meine alte Angst.

*

Geh doch dort hin,
wo der Pfeffer wächst! rufe ich
ihr zu, meiner Angst!

*

Hört sie mich denn nicht?
Nein! Schon ist sie verschwunden –
meine alte Angst!

Hannah Buchholz / 24.10.2018

 

Mehr wunderbare, tiefgehende, berührende Gedichte von ihr hier: https://hannahbuchholz.wordpress.com/

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Heiter humpelnde Demonstration gegen die Zerstörung der Welt

Foto: © wak

Wir Alten sollten nicht so einverstanden sein mit dem, was in unseren Gesellschaften passiert. Ich könnte mir vorstellen, so eine heiter humpelnde Demonstration von Alten gegen die Zerstörung der Welt oder gegen das, was mit den Flüchtlingen geschieht. Ich glaub, wenn wir das hätten, dann wären wir Alten auch von dieser ständigen Sorge um uns befreit, und wir würden nicht mehr sagen: das Wichtigste ist Gesundheit. Gesundheit ist nicht das Wichtigste. Das wäre mein Wunsch, dass die Alten ihr Alter auch ein Stück vergessen, soweit sie können, ihre Stöcke und Krücken nehmen und auf die Straße gehen. Dass wir aus dieser Selbstverkrallung, die natürlich nahe liegt im Alter, wenn die Kräfte schwinden, aus dieser Selbstverkrallung wegkämen. Das wäre ein Stück unserer Schönheit. Das wär ein Stück unserer Freiheit auch.

Fulbert Steffensky (*1933)