Als Donovan einen Zen-Text sang

Zen-Text und Donovans Plattencover / Collage: (c) wak

Ein Meister sagte: Bevor einer Zen studiert,
sind ihm Berge Berge und Gewässer Gewässer.
Wenn er aber eine Einsicht in die Wahrheit des Zen bekommt
durch die von einem guten Meister erteilte Belehrung,
dann sind ihm Berge nicht mehr Berge
und Gewässer keine Gewässer.
Aber nachmals, wenn er wirklich zum Orte der Ruhe gelangt ist,
so sind ihm Berge wieder Berge und Gewässer sind Gewässer.

Qingyuan weixin / Seigen Ishin (9. Jahrhundert)
Aus der dreißigbändigen Zen-Sammlung Ching-te ch’uan-teng-lu/ Aufzeichnungen von der Übertragung der Lampe (1004 u.Z.)

Eine Quelle des Zen-Textes:
Daisetz Teitaro Suzuki: Essays in Zen Buddhism, First Series, London 1927, S. 12; hier nach Suzuki: Die Große Befreiung, 3. Aufl., Konstanz 1947, S. 14. (Die längere Version wird von C.G. Jung im Geleitwort der deutschsprachigen Ausgabe „Die große Befreiung – Einführung in den Zen-Buddhismus“ zitiert )

Eine andere Quelle:
Alan W. Watts, The Way of Zen (New York: Pantheon Books, 1951), p. 126 (kürzere Version)

Donovan (Donovan Phillips Leitch ~ *1946) – There is a Mountain
https://www.youtube.com/watch?v=XcMM5-zBCEc

Der Text von Donovans Song ist hier zu lesen: https://www.google.com/search?client=firefox-b-e&q=donovan+there+is+a+mountain+lyrics
Mehr zur Geschichte des Songs und seinen Quellen hier: https://en.wikipedia.org/wiki/There_Is_a_Mountain

Der Beitrag erschien zuerst bei https://mystikaktuell.wordpress.com/

Alle Dinge in deiner Welt

Foto: (c) wak

Der Regen hat aufgehört, die Wolken haben sich verzogen,
das Wetter ist wieder klar.
Wenn dein Herz geläutert ist,
sind alle Dinge in deiner Welt geläutert.
Lass diese flüchtige Welt sein, lass dich Selbst sein.
Dann werden dich der Mond und die Blumen
auf dem großen Weg begleiten.

Ryokan (1758 – 1831)

Mozarts Requiem: Weit über allem Sagbaren

Foto: (c) wak

Nur die Tatsache, dass ein Werk wie das Requiem von Mozart durch die Wiedergabe eben schließlich doch immer wieder in den Bereich irdischer Unvollkommenheit zurückgeholt wird, gibt einem den Mut, etwas darüber zu sagen. Denn im Grunde liegt diese Musik weit über allem Sagbaren. Es ist kirchliche Musik und doch weit mehr. Nicht kirchlich wie etwa die Musik Bachs, die den Münsterraum zum Feierraum aller gläubigen Christenheit weitet und nicht unkirchlich, wie etwa die Musik Beethovens, der die freie Gläubigkeit des selbstgewissen Menschengeistes kündet, sondern es ist Musik gleichsam von der anderen Seite. Es hebt sich nicht gläubig gefaltet oder angstvoll und stürmisch emporgereckt hinauf, sondern es strömt und leuchtet von oben herunter. Der Glanz dieser Musik geht manchmal bis an die Grenze des Ertragbaren und es wird verständlich, daß sie auf manche Menschen mit der Macht geradezu des Tragischen wirkt, Gefühle unsäglicher Trauer und Schauer des Unheimlichen erzeugt.

Otto Maag (1885 – 1960) in seinem Beitrag „Musica Sacra“ über Mozarts „Requiem“. Weitere Abschnitte befassen sich mit den Orgelvariationen von Bach, und dessen Magnificat, dem 100. Psalm von Max Reger, Beethovens „Missa Solemnis“

Der ganze Beitrag von Otto Maag kann hier gelesen werden:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VII
CII. Jahrgang Oktober 2021 Heft 10, Thema: DIE MUSIKALISCHE DIMENSION DES JAKOB-BÖHME-BUNDES

Mehr hier:

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

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Allumfassende Harmonie

Foto (c) wak

Nichts ist alleinstehend in dieser Welt. Vom Lichtpartikel führt ein Weg zur Relativität, von der Schwerkraft ein Weg zur Planckschen Konstante, vom Blatt, das der Wind vor sich hinwirbelt, zum Baum und zur Knospe, die ihn von neuem hervorbringen wird, kurz zur Dynamik des Lebens.
Alles Existierende spiegelt in seiner Weise den Rhythmus einer ewigen Bewegung wider, denn das kosmische Gesetz überbrückt den Abgrund, der scheinbar das unendlich Kleine vom unendlich Großen trennt. Es enthüllt das Wirken einer allumfassenden Harmonie, die sich dem Mystiker in seiner Meditation offenbart.

Frederic Lionel (1908 – 1999) in: Abendland. Hüter der Flamme. Remagen, o.J., S. 29

Wer hat solchen Mut?

Omar Khayyam / Bild: wikimedia, gemeinfrei

Ich sah einen Mann,
zurückgezogen auf einem dürren Feld,
er war weder Ketzer noch rechtgläubig,
er gehörte keiner Religion an,
er hatte kein Vermogen,
keinen Gott, keine Wahrheit,
kein Gesetz und keine Sicherheit.

Wer in dieser Welt hat solchen Mut?

Omar Khayyam (1048 – 1131)

Das Leben der menschlichen Seele

Foto: (c) wak

Wer beim Anblick eines dürren Zweigleins, eines grauen Steinchens oder einer Glasscherbe, von der er nicht den geringsten Nutzen hat, von Dankbarkeit erfüllt wird, der hat den Schlüssel zum Offenen in seiner Hand: zum Offenen, das das ewige Leben in sich einschließt. Denn das ewige Leben ist ein Zustand der Seele des Menschen — oder richtiger vielleicht das Leben der menschlichen Seele.

Aus einem Vortrag von Johannes Anker-Larsen in der Tonhalle Zürich 1925

Der vollständige Vortrag ist hier nachzulesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VI

CII. Jahrgang SOMMER 2021

Thema: Materialien zum Jakob-Böhme-Bund

Heft 6, Juni 2021

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

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