Sich in Bewegung setzen

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Der beste Weg, die Menschheit zum Fortschritt zu bewegen, ist der, daß man sich selbst in Bewegung setzt. Das mag egoistisch oder individualistisch klingen, ist es aber nicht. Es ist nur gesunder Menschenverstand.

Aurobindo (1864 – 1950)

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Gottes Schweigen

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Was sagt Meister Ekkehart anders als:
zerbrich alle Sprache
und damit alle Begriffe und Dinge:
der Rest ist Schweigen.

Dies Schweigen aber ist — Gott.

Christian Morgenstern / 1907

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Alles ist verbunden

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Alles, was existiert, ist verbunden,
hat ein gemeinsames Ziel, einen gemeinsamen Atem.
Pflanzen, Tiere Felsen und Menschen atmen.
Die Erde atmet.
Erdmutter Natur ist der sichtbar
gewordene Atem des Schöpfers.

John Redtail Freesoul (Cheyenne – Arapahoe – Indianer)

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Öffnung auf das Spirituelle hin

Herbert Falken, „o. T.“ (aus der Serie der Gitterköpfe), Tusche auf Bütten, 1993

Mystische Erfahrung liegt jenseits sprachlichen Ausdrucks, ist ur(gründig) eigene Erfahrung, primär nicht Mitteilung. So ist auch das unverständliche Reden ebenso ein Charakteristikum mystischer Erfahrung (z. B. Phänomene der Glossolalie oder das Stammeln des Jeremias nach der Begegnung mit Gott), wie es zugleich doch auch Ausdruck eines Mitteilungsbedürfnisses aus der Erregung heraus ist. In diesem Zwiespalt scheint eine eher schlichte poetische Ausdrucksform noch am ehesten geeignet, vom Unaussprechlichen Kunde zugeben. Dass die partielle Unberechenbarkeit des Aquarellauftrags, das immer wieder andere Aufsaugen der Farbe durch die Qualitäten des Papiers, und die Einfachheit der Formensprache der Gitterköpfe hier eine Entsprechung zur poetischen Ausdrucksweise bilden, scheint ebenso naheliegend wie die Entsprechung zum eremitisch / kontemplativen Ideal des Johannes vom Kreuz. Diese Gitterköpfe sind ganz in sich gekehrt, sie entbehren (fast immer) der Sinnesorgane, ja selbst des Körpers. Falkens Gitterköpfe ruhen losgelöst von Körper und Außenwelt in sich, bereit zur Öffnung auf das Spirituelle hin.

In: Das Ende der Nacht. Der Ausgang der Marge, dargestellt am Bild- Zyklus »Gitterköpfe« von Herbert Falken. In: Hartmut Kraft, Über innere Grenzen. Initiation in Schamanismus, Kunst, Religion und Psychoanalyse, München 1995, S. 305

Mehr zu Herbert Falken auf der zu seinem 90. Geburtstag gestalteten Seite, die auf Ausstellungen und Veranstaltungen hinweist: https://falken-wege.de/

Religion des Weltalls

Novalis / Bild: wikimedia ~ gemeinfrei

Licht ist Symbol der echten Besonnenheit. Also ist Licht der Analogie nach Aktion der Selbstrührung der Materie. Der Tag ist also das Bewußtsein des Wandelsterns, und während die Sonne, wie ein Gott, in ewiger Selbsttätigkeit die Mitte beseelt, tut ein Planet nach dem andern auf längere oder kürzere Zeit das eine Auge zu, und erquickt im kühlen Schlaf sich zu neuem Leben und Anschauen. Also auch hier Religion – denn ist das Leben der Planeten etwas anders, als Sonnendienst? Auch hier kommst du uns also entgegen, uralte kindliche Religion der Parsen, und wir finden in dir die Religion des Weltalls.

Fragmente II von Novalis / Friedrich von Hardenberg (1772 – 1801)

Weitere Fragmente können hier nachgelesen werden:

Magische Blätter. CIII. Jahrgang, Herbst 2022

Herausgeber: Verlag Magische Blätter, Ronnenberg
Schriftleitung: Organisation zur Umwandlung des Kinos

https://verlagmagischeblaetter.eu/publikationsreihe/monatsschrift-magische-bl%C3%A4tter

BESTELLEN: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu subjekt: BESTELLEN MAGISCHE BLÄTTER BUCH XI

MAGISCHE BLÄTTER – HERBST 2022

Bewundernd stehst du vor den „Wundern der Natur“, ohne zu ahnen, daß da alles was du wahrnimmst, aus  d e i n e m  nun gebannten ewigen  G ei s t e s w i l l e n  stammt, und weitaus   w u n d e r b a r e r  wäre, würde das Reich, das du „die Natur“ nennst, und dem du selbst nunmehr verhaftet bist, dich heute noch als seinen  H e r r n  erkennen können. –

Nun müssen alle Kräfte in ihm weiter wirken wie die Räder eines Uhrwerks, das man einmal aufgezogen hat. Du  a l l e i n  kannst auch „die Natur“  e r l ö s e n, und wenn darüber noch Millionen Jahre vergehen sollten!

Aber glaube nicht, daß dieser kleine Stern auf dem wir hier jetzt leben, für sich  a l l e i n  die Folgen deines „Falles“ trägt! Den ganzen physisch wahrnehmbaren Weltenraum mit allen seinen Sonnen und Planeten, hat der Mensch, durch seinen Fall aus dem Bewusstsein seiner Geistesmacht, dazu verurteilt, ohne „Gott“ zu sein, denn nur  d e m  M e n s c h e n  allein war urbedingt einst anvertraut, was heute unsichtbare geistesferne Machtgier sich zu eigenem Herrschbereich erzwungen hat.  Bô Yin Râ, Das Buch der königlichen Kunst

Mit Texten von Roland Pietsch, Gary Snyder, Novalis, Joseph Campbell, Bill Moyers, Johannes Heisig, Rolf Schott, Gustav Meyrink, Max Thalmann, Saskia Trebing, Frances Schöneberger sowie Bildern, Illustration und Filmografien von Joseph Anton Schneiderfranken, Ewald Hoinkis,  Hauke Johanna Gerdes, Lama Anagarika Govinda, Charlotte Behrend-Corinth, Hans Poelzig, Fidus und Max Thalmann.

EINZELBUCH, 341  Seiten  20,- € / ISBN-Nr. 978-3-948-5941-4-5

Herausgeber: Verlag Magische Blätter, Ronnenberg
Schriftleitung: Organisation zur Umwandlung des Kinos

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Das innere Licht – Texte zur Mystik

von Ronald Steckel

Die Rückbesinnung des Menschen auf spirituelles Wissen ist notwendiger denn je. Denn unsere materialistisch geprägte Hightech-Zivilisation befindet sich in einem Zustand hilfloser Unwissenheit in Bezug auf die „innere Welt“ des Menschen. In unserer Reihe präsentieren wir Hörstücke, in denen die reiche spirituelle Überlieferung des Abendlandes als auch anderer Kulturen zur Sprache kommt: Texte des deutschen Theosophen Jacob Böhme, der französischen Mystikerin Simone Weil, des erleuchteten Tamilen Ramana Maharshi oder des persischen Dichters Rumi bilden eine Kartografie geistiger Landschaften, die die Hörer*innen auf ihrem Weg nach Innen begleiten und inspirieren wird.

https://www.rbb-online.de/rbbkultur/podcasts/das-innere-licht-podcast.html

Ramana (1/6)

Ramana Maharshi (1879 – 1950), gilt als einer der großen spirituellen Meister des letzten Jahrhunderts. Als 16-jähriger wird er von der allumfassenden Erkenntnis durchdrungen, dass das „Selbst“ unabhängig vom Körper existiert und diesen überdauert. Nach diesem Erleuchtungserlebnis verlässt Ramana seine Familie und zieht sich in eine Höhle am „heiligen“ Berg Arunachala zurück, wo er zwölf Jahre in Regungslosigkeit verharrt und kein Wort spricht.. Neben dem aus subjektiver Perspektive erzählten Lebensbericht Ramanas stehen Ausschnitte aus Gesprächen, die Ramana mit den zahllosen Besuchern seines Ashrams führte und die in Protokollen erhalten geblieben sind.

Vom übersinnlichen Leben (2/6)

Jacob Böhme gilt als der bedeutendste deutsche Mystiker. Schelling nannte ihn „eine Wundererscheinung in der Geschichte der Menschheit“ und Hegel gab dem Schuhmachermeister aus Görlitz den Ehrentitel „erster deutscher Philosoph“. In dem Stück „Vom übersinnlichen Leben“ beschreibt Jacob Böhme in einem Zwiegespräch zwischen Meister und Schüler den Weg der Seele zurück in ihre ewige geistige Heimat.

Möcht ich ein Komet sein (3/6)

Das Hörspiel von Ronald Steckel ist der Versuch einer Rekonstruktion. Erzählt wird die Geschichte eines Menschen, der schon früh alle Zeichen des Ungewöhnlichen in sich trägt. Noch überraschender als seine überragende Intelligenz ist der Eindruck, den er bei seinen Mitmenschen hinterlässt. Wer ist dieser Mensch, der die Grenzen der Normalität überschritten hat und in eine tiefere Dimension des Bewußtseins vorgedrungen zu sein scheint? Seine Eltern kommen zu Wort, seine Lehrer, seine Ärzte und Freunde. Nach und nach wird das Bild eines Ausnahmemenschen sichtbar, der alle Wesensmerkmale eines Heiligen besitzt.

Schwerkraft und Licht (4/6)

Die französische Philosophin Simone Weil (1909-1943) ist in der geistigen Landschaft des 20. Jahrhunderts eine Ausnahmeerscheinung. Die Tochter aus liberalem jüdischem Hause entwickelte sich im Laufe ihres asketischen Lebens zu einer christlichen Mystikerin jenseits aller Konventionen. Sie war diplomierte Philosophin, Lehrerin an Grund- und Arbeiterschulen, Gewerkschaftlerin, Fabrikarbeiterin, Tagebuchschreiberin, Dichterin und Verfasserin von Theaterstücken; . Sie starb mit 33 Jahren im englischen Exil an Unterernährung und Erschöpfung.

Offenes Geheimnis (5/6)

Der von 1207 bis 1273 lebende persische Gelehrte, Dichter und sufische Mystiker Dschelal-ed-Din Rumi gilt als eine der größten poetischen Stimmen des Orients und wird in allen arabisch-sprechenden Ländern mit ähnlicher Bewunderung verehrt wie Dante oder Homer im Abendland. In Anrufungen, Aufforderungen, Unterhaltungen und Selbstbefragungen erzählen die Verse von den unzähligen Erscheinungsformen der Liebe, die Gott, Mensch und Welt verbinden.

Höre du blinder Mensch (6/6)

Der 1575 in der sächsischen Stadt Görlitz geborene Jacob Böhme war ein einfacher Schuster, bevor er nach einer Reihe von Erleuchtungserlebnissen zu schreiben begann. Im Laufe der Jahre entwarf er eine mehrtausendseitige Kosmologie, Theosophie und Anthropologie, die ihm Schreibverbot und eine Anklage wegen Ketzerei einbrachte. Das Hörstück ist eine suggestive, akustische Seance mit Texten aus Böhmes theosophischen Schriften.

Unter jedem der Texte sind Hinweise zum kostenlosen Download der eindrucksvollen mp3-Dateien zu finden.

Mystik des aufblühenden Lotus

Lotus / Foto: (c) wak

Die Lehre des Dschuang Dsi ist groß, sie ist umfassend und mehr als das, sie ist beglückend. Sie erfaßt die Welt und vernichtet sie nicht. Sie erkennt das Böse und leugnet es nicht. Sie weiß, daß der Mensch böse ist von Urbeginn, und glaubt doch an ihn, denn was wäre der Sinn des Lebens eines Weisen, wenn nicht die Erziehung? Sie begnügt sich nicht mit der sichtbaren Welt, die zu ermessen und zu messen ist, sondern er nimmt mystischen Aufschwung in das unbegrenzte und nie zu ermessende Reich. Aber das ist keine Mystik des müden Unterganges, sondern die des aufblühenden Lotus, der aufgehenden Sonne, des aufrauschenden, unbeschreiblich mächtigen, unbeschreiblich freudigen Vogels Rockh.

Das höchste und tiefste, das dieser Mensch der Vorzeit uns zu geben hat, ist eben diese Vereinigung des Tiefsten mit dem Höchsten. Es ist eine Religion der Versöhnung, nicht auf dem Boden eines Dogmas, also auch nicht auf dem Boden des ewig unerfüllbaren: Liebet einander, sondern durch den Weg, den er jedem zu (seinem) innersten Erlebnis, zum Sinn des Lebens führen will. Dann gehen alle Farben ein in den unwandelbaren Regenbogen der Vereinigung. Er ist der einzige Weltgelehrte, der die Weltanschauung nicht durchsetzen, sondern alle Weltanschauungen zur Ruhe bringen will. Keine Zeit konnte so dürsten nach der Ruhe und der Vereinigung wie die unsere. Und unsere Zeit, kann man ihr auch nachsagen, wieviel man will und wieviel sie verdient, sie hat viel gelitten; und hier, in der Freude des lichten Ostens, könnte sie Heilung finden; wenn irgendwie und irgendwo, so im südlichen Blütenland.

Ernst Weiß  (1882 – 1940) in seinem Essay „Von Chinas Göttern“