Ihr Zuhörer in schwierigen Zeiten

Corona und die damit einhergehenden Beschränkungen haben eine bereits vorhandene Entwicklung noch deutlicher werden lassen: Immer mehr Menschen sind mit ihren Nöten und Sorgen allein. Hier setzt mein niederschwelliges Angebot als Zuhörer für Sie an: achtsam, einfühlsam, kompetent, unabhängig, verschwiegen, zeitnah.

Ich weiß aus eigener Erfahrung: Es braucht offene Ohren, kompetente Zuhörende, deren Empathie man ebenso sicher sein kann wie ihrer Verschwiegenheit.

Aktualisierte Zeilen aus dem Manifest „Warum es heute Zuhörer braucht“. Der komplette Text findet sich hier: https://zuhoerer-ruhr.com/6-zuhoeren-als-saekulare-seelsorge-ein-manifest/

Kontakt per eMail: zuhoerer@email.de

Die Homepage mit weiteren Informationen: https://zuhoerer-ruhr.com/

Christel Beilmann 100: Katholikin, Pazifistin, Politikerin,  Weibliche Führungskraft, Redakteurin

Die beiden Bücher von Christel Beilmann | Peter Hammer Verlag

Katholikin, Pazifistin, Politikerin,  Weibliche Führungskraft, Redakteurin. Darauf stößt, wer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek den Namen der am 21. Januar 1921 geborenen Christel Beilmann eingibt. Und es fasst schon knapp ihre Biographie zusammen.

Es war 1975, als ich auf Christel Beilmann aufmerksam wurde. Ein damaliger Freund schrieb über zwei Autoren des „Roten Blatts Katholischer Sozialisten“ (Otto Bauer / Heinrich Mertens: 1929 – 1930) seine Diplomarbeit und wir fuhren zu der Witwe von Mertens nach Köln. Auf dem Weg besuchten wir dort auch Martin Stankowski, der sich für seine Promotion mit der „Linkskatholischen Presse in Deutschland nach 1945“ befasst hatte. „Ihr müsst dringend zu Christel Beilmann“, gab er uns mit auf den Heimweg. Kein Problem, da sie wie der Freund in Bochum wohnten.

Nach und nach lernte ich sie, ihre Arbeit und vor allem ihren kritischen Geist kennen und schätzen, kam mit unterschiedlichen Personen und Institutionen ihres Umfelds in Kontakt. Viele ihrer Aktivitäten sind bei wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Christel_Beilmann nachzulesen:

„Leben und Werk

Von 1946 bis 1951 war sie erste Diözeseanführerin der katholischen Frauenjugend im Erzbistum Paderborn und 1947 Mitbegründerin des Bundes der Deutschen katholischen Jugend. Sie war in der Ostermarsch-Bewegung – u. a. als „Organisatorin des Ostermarsches Ruhr“ – tätig; als Katholikin gehörte sie in dieser Bewegung, die – soweit religiös – eher protestantisch geprägt war, zur katholischen Minderheit; unter den vielen Frauen, die dort aktiv waren, war sie eine der wenigen, die dort organisatorische Bedeutung erlangten.

Beilman redigierte zumindest zeitweilig – teilweise zusammen mit Arno Klönne – die Zeitschriften der Ostermarsch-Bewegung: die Informationen zur Abrüstung und später die außerparlamentarische opposition. In den Informationen zur Abrüstung des Jahres 1967 ist ausschließlich sie als Redakteurin genannt; in den Ausgaben der außerparlamentarische opposition des ersten Halbjahrs 1968 sind sie und Arno Klönne genannt. Jedenfalls 1965 gehörte sie auch dem Arbeitsausschuss der Kampagne an und war außerdem für die Zusammenstellung des Pressedienstes der Kampagne zuständig (parallel dazu Leitende Redakteurin im graphischen Büro einer großen Druckerei – w.a.k.).

Später war Beilmann Redakteurin der links, der Zeitschrift des – aus einer Strömung/Fraktion der genannten Kampagne hervorgegangen – Sozialistischen Büros (SB); jedenfalls deren Null-Nummer aus dem Jahre 1969 wurde von ihr presserechtlich verantwortet. Auch die Papiere, die zur Gründung des SB führten, waren von ihr mitunterzeichnet.

Schließlich ist sie mindestens in Heft 1/1971 der Zeitschrift „werkhefte. zeitschrift für probleme der gesellschaft und des katholizismus“ als Redakteurin genannt.

Ihr Buch Eine katholische Jugend löste „eine verstärkt kritische Diskussion“ über die „katholische Jugend im Dritten Reich“ aus.

Zu nicht näher spezifizierter Zeit war sie SPD-Mitglied. In ihrem Nachlass befinden sich Unterlagen der Kommission „SPD und Kirchen“ beim SPD-Landesvorstand Nordrhein-Westfalen (1977 – 1988).“

Zu ergänzen wäre hier unter anderem auch noch der Bensberger Kreis, die Hochschulinitiative Demokratischer Sozialismus oder ihr späteres Buch:  Eva, Maria, Erdenfrau: Der Verrat an den Frauen durch Kirchen und Theologien…

Aus der sachbezogenen Bekanntschaft zu ihr wurde eine lange persönliche Freundschaft. Mit den Worten: „Ich melde mich, wenn es mir besser geht“, beendete sie unser letztes Telefonat. Ich denke noch oft an die 2005 verstorbene Freundin. (w.a.k.)

Stephanie von Hayek: Als die Tage ihr Licht verloren. Roman

Stephanie von Hayek

Als die Tage ihr Licht verloren

Roman

Pendo Verlag in der Piper Verlag GmbH, München 2019

304 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag . 20,– €

EAN 978-3-86612-466-0

 

„Der Hackenholt, der kennt den Himmler, sagt man“. Und Himmler nennt Hackenholt einen „der verdientesten Männer der Aktion Reinhard“. Will heißen: „Nach 1945 war Lorenz Hackenholt einer der meistgesuchten NS-Verbrecher, ihm wurde Mord in 70.000 und Beihilfe in 1,5 Millionen Fällen vorgeworfen.“ So zu lesen im Nachwort von Stephanie von Hayeks mehr als eindrucksvollem Roman „Als die Tage ihr Licht verloren“.

Die Nationalsozialisten gewinnen an Einfluss

Davon haben Linda und Brigitte, die beiden Hoffmann-Schwestern, zu Beginn der Geschichte noch nichts gewusst, als sie im Berlin der 30er Jahre des 20. Jahrhunderts ihre Zukunft gestalten wollen. Lebendig und lebensfroh, freiheitsliebend und voller Tatendrang. Eng befreundet sind die beiden Frauen mit Lene; einer Schulfreundin, die ein wenig älter und bereits verheiratet ist. Fast schicksalhaft verstrickt sie diese Freundschaft mit Lenes Mann Arnold, der als einer der ersten in die NSDAP eingetreten ist.

Doch noch scheint alles in Ordnung zu sein bei den jungen Frauen. Zumindest in jenem ersten Teil des Buches, der in den Jahren 1932 – 1938 spielt.

Ihren Lebensunterhalt verdienen Linda und Gitte in verschiedenen Büros: Linda im Kaufhaus Tietz, Gitte in einer Abteilung des Reichsministeriums des Inneren. Doch bald schon wird Linda von der Tristesse ihrer Arbeit erlöst, da sie in dem Geschäft der Schuhfabrik ihres Freundes Erich eine Anstellung findet. Gitte muss sich dagegen mit einem strengen Chef auseinandersetzen, der mehr und mehr in die politischen Veränderungen verstrickt ist.

Das Schicksal nimmt für Linda seinen Lauf, als der Freund Erich eingezogen wird und ihr zunächst noch beständig von der Front schreibt. Doch plötzlich bleiben seine Briefe aus… In ihrem Kopf verstärkt sich der Eindruck, dass er gefallen sei. Sie wird schwer krank…

„Mitten unter uns“ ist nun der zweite Teil des Buches überschrieben, der in den Jahren 1939 und 1940 spielt. Und wenig später kommt auch Lorenz Maria Hackenholt vor. Er ist einer jener Männer, die man von der SS aus Oranienburg geholt hatte. Ein Vorgesetzter „nordet sie ein“, lässt die Männer wissen, um was es für sie bei der neu gegründeten „Gemeinnützigen Kranken-Transport GmbH“ geht.

Fahren und Leichen verbrennen

Das Grauen beginnt für die Familie endgültig, als Linda völlig niedergeschlagen vorgefunden wird. Zur Beruhigung von Linda, so empfiehlt ein Arzt, solle sie in eine Heil- und Pflegeanstalt.

Lorenz Hackenholt ist zur gleichen Zeit dabei, sich einzurichten. Bei der SS -Totenkopfstandarte in Oranienburg hatte er bereits das Rüstzeug für den Job bekommen, den er jetzt ausübt. Fahren ist für ihn eines, Leichen zu verbrennen ein anderes. Aber ihn lockt Geld und die Aussicht eines sozialen Aufstiegs.

Im Schuhladen von Erich Kupfer hat nun der Angestellte Ewald das Sagen, der sich mit dem System früh arrangiert hat, ihm nahesteht. Und auch Gitte werden im Ministerium durchaus Hoffnungen für ihre Zukunft gemacht – vor allem, wenn sie in die Partei ginge. Linda jedoch ist erst noch in der Anstalt Buch, der größten Irrenanstalt im Norden Berlins. Während Gitte dabei ist, Geld für eine Emigration zu besorgen, flieht Linda nach einem Unfall des Anstaltsbusses zunächst zurück nach Berlin. Den Bus fährt Hackenholt und Linda hat ihn gleich als einen der Nazi-Kunden in Erichs Schuhgeschäft erkannt.

Unerwarteter Tod in der Pflegeanstalt

Der dritte Teil spielt 1940 und beginnt mit einem Brief der Landespflegeanstalt Brandenburg, in dem mitgeteilt wird, dass Linda „plötzlich und unerwartet an einer Hirnschwellung verstorben ist“. Linda jedoch macht sich mit einem Freund in Richtung Schweden auf. Die Gegebenheiten haben sich zwischenzeitig im wahrsten Sinne des Wortes gewaltig geändert: Nicht nur, dass an Erichs altem Schuhladen inzwischen Hakenkreuz-Wimpel am Eingang wehen…

 

Stephanie von Hayek hat mit dem Buch „Als die Tage ihr Licht verloren“ einen Roman vorgelegt, der ebenso mitreißend wie bewegend geschrieben ist. Er ist zeitgeschichtlich von großer Bedeutung, da er anhand konkreter Menschen Probleme aufzeigt, die das grauenhafte Zusammenwirken von totalitärer Herrschaft und gnadenloser Mordlust benennt.

Gepackt hat mich das Buch auch deshalb, weil es bei mir auf einen persönlichen Hintergrund trifft. Lorenz Maria Hackenholt war ein Bruder meines Nachbarn Theodor, der viele Jahre neben uns in Gelsenkirchen gewohnt hat und lange verstorben ist. Manche seiner hektischen und getrieben scheinenden Handlungen habe ich als Kind nicht wirklich verstehen können. Nach einigen Informationen, eigenen Recherchen und dem Buch von Stephanie von Hayek ist mir vieles von dem nachvollziehbarer geworden, was ihn, einen anderen Bruder und seine Schwestern wohl umgetrieben haben wird.

Das Nachwort des Buches hört auf. Die Mordaktionen von Lorenz Hackenholt sind jedoch noch weitergegangen; offensichtlich gnadenlos hat er eine grausame Spur des Todes hinterlassen: Belzec, Sobibor, Treblinka, Triest…

© Werner A. Krebber

 

Erstmals aufmerksam geworden auf die Rolle von Lorenz Maria Hackenholt bin ich durch den Gerstein-Bericht, u.a. hier zu finden: https://www.lwl.org/lmz-download/medienproduktion/booklet_gerstein.pdf

Zu Lorenz Maria Hackenholt siehe auch hier: http://www.deathcamps.org/euthanasia/hackenholtstory_de.html

Rund 500 Meter vom Elternhaus des Lorenz Hackenholt entfernt hat Anna Otto gewohnt; sie überlebte als sogenannte „Judenchristin“ das Konzentrationslager Theresienstadt. Ein Interview, das ich vor vielen Jahren mit ihr geführt habe, findet sich hier: https://wernerkrebber.wordpress.com/2016/12/16/anna-o-die-wollten-gar-nicht-dass-wir-da-ankamen/