Die Welt wird schöner mit jedem Tag

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Die linden Lüfte sind erwacht,
Sie säuseln und weben Tag und Nacht,
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Nun, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.

Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch werden mag,
Das Blühen will nicht enden.
Es blüht das fernste, tiefste, Tal:
Nun, armes Herz, vergiß der Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden.

„Frühlingsglaube“ (1812) von Ludwig Uhland (1787 – 1862)

Muße gewinnen

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Wieviel Muße gewinnt der,
der nicht darauf, was sein Nächster
spricht oder tut oder denkt,
sondern nur auf das sieht,
was er selbst tut,
daß es gerecht und heilig sei;
sieh nicht, sagt Agathon,
die schlechten Sitten um dich her,
sondern wandle auf gerader Linie deinen Pfad,
ohne dich irremachen zu lassen.

Marc Aurel (121 – 180) in seinen „Selbstbetrachtungen“

(Agathon (um 448 – um 400 v. u.Z.) war ein antiker griechischer Tragödiendichter)

Alles ist Meinung…

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Alles ist Meinung,
und diese hängt ganz von dir ab.
Räume also, wenn du willst,
die Meinung aus dem Wege,
und gleich dem Seefahrer,
der eine Klippe umschifft hat,
wirst du unter Windstille auf ruhiger See
in den sicheren Hafen einfahren.

Marc Aurel (121 – 180) in seinen „Selbstbetrachtungen“

Niemandem Vorwürfe machen

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In betreff dessen, was eine Folge des Naturlaufs ist, soll man weder den Göttern noch den Menschen Vorwürfe machen; denn jene versehen sich weder willkürlich noch unwillkürlich, diese fehlen auch nicht willkürlich; daher soll man niemandem Vorwürfe machen.

Marc Aurel (121 – 180) in seinen „Selbstbetrachtungen“