Musils Mann ohne Eigenschaften

Marmortafel am Berliner Kurfürstendamm 217        Foto: © wak

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Den Titel Der Mann ohne Eigenschaften präsentierte Musil dem Publikum erstmals 1927 bei einer Lesung von Werkteilen. Zu Jahresbeginn 1929 fing er die Reinschrift des ersten Bandes an, bis zu dessen Erscheinen aber noch einmal annähernd zwei Jahre vergehen sollten. Sehr mühsam rang der Autor sich nach eigenem Bekunden die Fortschritte ab:

„Ich habe auch einen mich befriedigenden letzten und Hauptteil des ersten Kapitels im Kopf. Ich setze den ersten Teil in einer Weise fort, die formal ungeschickt wirkt und von mir gestrichen wird. Es fällt mir ein, die nicht verwendete Schilderung der Geräusche und Geschwindigkeiten der Großstadt hier einzuschieben. Es schwebt mir vor, wie sie in den letzten Teil übergehen soll. Aber ungenau und nicht fixiert. Nun ist die klassische Situation geschaffen: Zwei fixierte Pfeiler und dazwischen ein Übergang, der nicht zustande kommen will. Ich schiebe ihn ein und bringe ihn nur zum Teil unter. Ich streiche und versuche es anders. Mißfallen schleicht sich ein. Ich verliere die Linie des Ganzen. […] Es ist Abend geworden, ich lasse die Sache stehn, lese. Im Augenblick, wo ich die Lampen löschen will, fällt mir, wie oft, ein, wie es zu machen wäre.“

Am 22. Dezember 1930, gut zwei Wochen nach Musils 50. Geburtstag und zu spät, um im Weihnachtsgeschäft noch eine merkliche Rolle zu spielen, erschien der Der Mann ohne Eigenschaften, Band I. Während Musil in den beiden Folgejahren am Fortsetzungsband arbeitete, schlug die existenzielle Krise des Rowohlt-Verlags mit Einkommensverlusten auf ihn zurück. Den eigenen Zeitplan konnte Musil erneut nicht einhalten, sah sich aber wegen der prekären Lage seines Verlegers zudem genötigt, wenigstens den ersten Teil des Bandes II zu dem vom Verlag angekündigten Termin fertigzustellen. Seine private Notlage linderte unterdessen eine von privaten Mäzenen, darunter Curt Glaser, gegründete Musil-Gesellschaft. Musils Aufnahme in die Preußische Akademie der Künste scheiterte trotz der Unterstützung etwa Thomas Manns und Alfred Döblins Ende Januar 1932 am Votum der Mitglieder-Mehrheit. Zur Begründung soll es geheißen haben: „zu intelligent für einen Dichter“.Unter solchen Voraussetzungen wurde am 15. Dezember 1932 Band II von Der Mann ohne Eigenschaften mit dem ersten Teil ausgeliefert.

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https://de.wikipedia.org/wiki/Robert_Musil#Am_Puls_der_Zeit_in_Berlin_und_Wien_bis_1938

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