Yves Klein in Gelsenkirchen

Interessantes über Yves Klein erfährt man heute im Interview mit seiner Witwe Rotraut Klein-Moquay. Wie er nach Gelsenkirchen gekommen und wie er ihr dort durch seine Judo-Kenntnisse das Leben gerettet hat:

>>Rotraut Klein-Moquay: …Wie mein Bruder Günther (Uecker. W.K.) und die anderen aus der Gruppe „Zero“. Aber auch der Bildhauer Norbert Kricke, durch ihn kam er nach Gelsenkirchen…

Die Welt: …wo er seinen ersten öffentlichen Auftrag hatte.

Rotraut Klein-Moquay: Richtig. Für den Neubau des Musiktheaters hat er diese großen blauen Wandreliefs geschaffen.

Die Welt: Sie kamen also nach Gelsenkirchen, der flehende Brief wurde erhört…

Rotraut Klein-Moquay: …und dort hat er mir das Leben gerettet.

Die Welt: Wie das?

Rotraut Klein-Moquay: Das Gebäude war noch nicht fertig, es war eine Baustelle, und wir standen im obersten Stock, nur dass es noch keine Geländer gab. Yves unterhielt sich mit jemandem, ich stand hinter ihm und kam irgendwie ins Taumeln und war im Begriff, ein paar Stockwerke zu stürzen. Yves muss das in den Augen seines Gesprächspartners gespiegelt gesehen haben, denn er drehte sich blitzschnell um, packte mich und zog mich hoch.

Die Welt: Sie waren schon im freien Fall?

Rotraut Klein-Moquay: So ist es. Er erwischte meine Hand noch gerade so über dem Fußboden. Klingt nach einem Hollywoodfilm, nach übersinnlichen Kräften. Aber so war es. Sie dürfen nicht vergessen, dass Yves zuvor lange in Japan gelebt und Judo gelernt hat. Er hatte den schwarzen Gürtel, er hatte ein Grundlagenbuch über Judo verfasst, und er war Leiter des spanischen Judoverbandes. …<<

Gleichzeitig erfährt man, dass der frühe Tod von Yves Klein zurückzuführen ist auf die Arbeit an den wunderbaren schönen blauen Wandelementen mit Schwämmen:

>>Rotraut Klein-Moquay: Die Schwämme, die auf der großen Leinwand fixiert wurden, die hat er mit flüssigem Polyester gefüllt. Dabei ist ein stinkender Dampf entstanden. Die Leute auf der Fabrik, die das Polyester geliefert haben, sagten, es sei nicht giftig, er müsse sich keine Sorgen machen. Aber die mussten ja nie diesen Dampf einatmen, sie hatten keine Ahnung.

Die Welt: Ihr Mann ist 1962 mit nur 34 Jahren gestorben. In Lexika-Einträgen steht: an einem Herzinfarkt.

Rotraut Klein-Moquay: Er hatte Herzinfarkte, in kurzer Abfolge.

Die Welt: Und das waren die Folgen der Arbeit in Gelsenkirchen?

Rotraut Klein-Moquay: Ja. Die Dämpfe haben seine Organe zerstört, die waren danach wie aus ganz dünnem Glas.<<

Das ganze Interview hier:

http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article11247749/Komm-mit-mir-in-die-Leere.html

Ein Video, das die Arbeit von Klein mit den Schwämmen am Musiktheater zeigt, gibt es hier:

http://www.youtube.com/watch?v=_AQw60WiEvU

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